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Warum schon wenige Stunden soziales Engagement nachhaltig etwas bewirken können – PT I

Frau mit Becher

von Gracia Kleijnen

Unsicher, wie und wo ich anfangen sollte, zögerte ich lange Zeit, die Möglichkeiten für soziales Engagement in Berlin auszuloten. Bis zu diesem Jahr. Mein aktueller Arbeitgeber engagiert sich über vostel.de im Rahmen von Corporate-Volunteering-Projekten. Die Mitarbeiter erhalten dabei die Möglichkeit, sich während ihrer Arbeitszeit für gesellschaftliche Belange einzusetzen. Dadurch ist meine Hemmschwelle, mich ehrenamtlich zu engagieren, enorm gesunken.

So nahm ich etwa an einem Spaziergang mit Senioren teil, gestaltete Lampenschirme für Kinder, wirkte bei der Durchführung einer Hilfstour für obdachlose Menschen mit und leistete im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung für blinde und sehbehinderte Menschen Unterstützung am Buffet. Die Lampenschirm-Aktion dauerte lediglich eine Stunde, während die anderen Einsätze jeweils einen halben Tag oder einen Nachmittag und Abend in Anspruch nahmen.

„Dieses Jahr war für mich persönlich ein Jahr der Veränderung.“

Dieses Jahr war für mich persönlich ein Jahr der Veränderung. Ich hatte mir vorgenommen, neue Herausforderungen anzugehen und Ideen in die Tat umzusetzen, die schon lange in der Schublade vor sich hinstaubten. Einige davon beinhalteten soziale Interaktionen und lagen eindeutig außerhalb meiner Komfortzone. Da ich ein eher zurückhaltender Typ hin, fielen mir zunächst immer wieder Ausreden ein, weshalb ich nicht einfach hingehen und mitmachen konnte. Ich bin heute sehr froh, dass ich mir einen Ruck gegeben habe.

„Schon wenige Stunden ehrenamtliches Engagement können nachhaltig etwas bewirken.“

Schon wenige Stunden ehrenamtliches Engagement können nachhaltig etwas bewirken. Vielleicht werden für das Projekt, in dem du dich engagierst, nur ein paar Stunden Unterstützung benötigt. Doch ohne deine Teilnahme würde die Aktion womöglich gar nicht erst stattfinden, da die Anzahl der Helfer*innen nicht ausreicht. Das muss man sich nur mal vor Augen führen. Die Projekte können als soziales „Schmiermittel“ dienen. Man trifft auf Gleichgesinnte und je nach Projekt auf Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und Lebensläufe. Sie können einem neue Dinge näher bringen, an die man sonst keinen Gedanken verschwendet hätte oder eine Verhaltensänderung bewirken. Mein Wunsch war es von Anfang an, an möglichst vielfältigen Aktivitäten teilzunehmen, bei denen ich Menschen aus allen Lebensbereichen begegnen würde.


Ausflug mit Bewohner*innen eines Seniorenheims
Gemeinsamer Besuch im Eiscafé mit den Bewohner*innen eines Seniorenheims.

Gemeinsamer Besuch im Eiscafé mit den Bewohner*innen eines Seniorenheims.

Dies war mein erster Freiwilligeneinsatz und auch das erste Mal, dass ich mit den Bewohnern eines Seniorenheims in Kontakt kam (hier erfährst du mehr über Freiwilligenarbeit mit Senior*innen). Ich ging mit offenem Geist und Herzen hin. Die Bewohner wurden in Gruppen eingeteilt. Jeweils ein Freiwilliger sollte einen Bewohner begleiten. Die Senior*innen wussten, dass wir mit ihnen einen kleinen Ausflug planten. Die meisten von ihnen hatten sich bei unserer Ankunft bereits auf der Gartenterrasse versammelt. Wir wurden von den Mitarbeitern von vostel.de dazu ermutigt, uns zu den Bewohnern zu gesellen und mit ihnen zu plaudern, bis es Zeit war, aufzubrechen. Einige von ihnen waren nicht mehr so mobil. Manche konnten selbst gehen, während andere von einer Begleitperson im Rollstuhl geschoben werden mussten.

„Der- oder diejenige schenkt einem ihr ganzes Vertrauen, was ich bemerkenswert finde. Außerdem wurde mir klar, dass Pflegekräfte viel mehr Respekt verdienen, als ihnen zugestanden wird.“

Das Eiscafé, das wir besuchten, war nicht weit entfernt. Doch einen Rollstuhl zu schieben erfordert einiges an Energie und Kraft. Die Person im Rollstuhl muss sich wohl fühlen. Der- oder diejenige schenkt einem ihr ganzes Vertrauen, was ich bemerkenswert finde. Außerdem wurde mir klar, dass Pflegekräfte viel mehr Respekt verdienen, als ihnen zugestanden wird. Und dass jeder Bewohner seine ganz eigenen Geschichten mitbringt und Lebensweisheiten weitergeben kann, wenn man bereit ist, sich auf die jeweilige Person einzulassen und ihr zuzuhören.

„Was man aber nicht vergessen darf, das wurde mir in diesem Moment in Erinnerung gerufen, ist, dass unser Körper uns teilweise diktiert, was wir können und was nicht.“

Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Ich hatte mich länger mit einer sehr netten älteren Dame unterhalten. Sie ist nicht mehr besonders mobil. Wir sprachen über das Leben im Allgemeinen. Ich bin immer daran interessiert zu erfahren, ob Menschen glücklich und zufrieden mit ihrem Leben sind. Was mich besonders traf war, dass der Zweite Weltkrieg tiefe Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat und bis heute auf ihr lastet. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Stattdessen hörte ich einfach nur zu.

Sie erzählte mir, dass es einen weit entfernten Ort gab, den sie schon immer einmal besuchen wollte. Ich versuche stets, die Menschen um mich herum zu überzeugen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und die Dinge zu tun, die sie gerne tun. Nicht, weil es ihnen jemand sagt, sondern aus purer Freude oder weil sie es wollen. Was man aber nicht vergessen darf, das wurde mir in diesem Moment in Erinnerung gerufen, ist, dass unser Körper uns teilweise diktiert, was wir können und was nicht.

Bei gesundheitlichen Problemen können einfache Dinge plötzlich viel schwerer zu realisieren und zu organisieren sein. Inzwischen war es Zeit fürs Abendbrot geworden. Ich begleitete sie nach oben und leistete ihr kurzerhand beim Essen Gesellschaft. Sie bestand darauf, dass ich mit zu ihrem Zimmer kam, um zu sehen, wie sie lebte. Das erfüllte mich mit Wärme, da sie mich zu sich in ihr persönliches Reich einlud. Später erfuhr ich, dass sie an diversen Erkrankungen leidet, was mich erneut traurig stimmte. Trotz aller Schwierigkeiten hoffe ich, dass sie einen Weg findet, damit die Wünsche, von denen sie mir erzählt hat, in Erfüllung gehen.


Gestaltung von Lampenschirmen für das Kinderprojekt „Die Arche e.V.“
Kinder in der Arche zeigen die für sie gestalteten Lampenschirme.

Kinder in der Arche zeigen die für sie gestalteten Lampenschirme.

„Den Teamzusammenhalt stärken, der Kreativität beim Gestalten der Lampenschirme freien Lauf lassen und jemandem den Alltag (und die Zimmerdecke) erhellen – mit dieser Aktion erzielten wir gleich einen dreifachen Nutzen.“

Das Team von vostel.de brachte uns einen Vorrat an einfachen Ikea-Lampenschirmen im Büro vorbei. Da die Aktion nur eine Stunde in Anspruch nahm, meldete sich fast meine gesamte Abteilung an, um zu helfen. Den Teamzusammenhalt stärken, der Kreativität beim Gestalten der Lampenschirme freien Lauf lassen und jemandem den Alltag (und die Zimmerdecke) erhellen – mit dieser Aktion erzielten wir gleich einen dreifachen Nutzen. Wir erhielten dieses Foto von den Kindern der Arche, die stolz ihre neuen Lampenschirme hochhalten. Sie sehen glücklich aus. Ich hoffe, sie schauen nach oben und denken: „Ha, cool, jemand hat das nur für mich gemacht.“ Der einzige Wermutstropfen bei dieser Aktion war der Zeitfaktor. Es hat so viel Spaß gemacht, ich hätte ohne Probleme den ganzen Tag weiter Lampenschirme dekorieren können, haha.

Dank der Unterstützung des Teams von vostel.de und der Menschen, die an der Aktion beteiligt waren, habe ich diese Einführung in das Ehrenamt insgesamt als sehr positiv erlebt.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Blogartikel einen guten Eindruck von meinen ersten Freiwilligeneinsätzen vermitteln konnte. Falls du auch überlegst, dich ehrenamtlich zu engagieren, kannst du auf vostel.de nach Projekten in deiner Nähe suchen.

Demnächst folgt ein weiterer Artikel, in dem ich ausführlicher über meine Teilnahme an der Hilfstour für obdachlose Menschen und die Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen berichten werde.


Gracia ist Wahlberlinerin und absolute Katzennärrin und hat bereits in diversen Städten in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und China gelebt. Wenn sie nicht gerade Aktivitäten auf ihrer Bucket-List abhakt, unternimmt sie spontane „Bitpacking“-Trips, lernt neue Sprachen oder nimmt Unterricht im örtlichen Tanzstudio.

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