Erfahrungsbericht, Gastbeitrag, Unternehmensengagement

Sinnsuche im Job – Warum Du nicht das Unternehmen wechseln musst, um ihn zu finden

Happy barista

von Lukas Marzi

Ob du nun Projekte steuerst, ein tolles Produkt verkaufst oder die*der beste*r Key-Account Manager*in für deine Kunden bist – wir alle kennen das Gefühl, wenn nach Wochen, Monaten oder Jahren die Freude an der Arbeit nachlässt. Das Gefühl, wenn du dich nach dem Aufstehen schon auf den Feierabend freust. Oder du auf der Arbeit anfängst, 20 Kaffee zu trinken – nur um die jeweils 3 Minuten „Arbeitsplatz-Küche-Arbeitsplatz“ nicht am Schreibtisch verbringen zu müssen. Und wenn dieses Gefühl aufkommt, vielleicht nicht zum ersten oder zweiten Mal, dann fragen wir uns alle: War’s das nun? Geht’s es so weiter? Ist es wirklich so schlimm?

Jein! Weder musst du deinen Job an den Nagel hängen, noch dich auf alle Ewigkeit traurig durch das Büro schleppen. Dass es auch anders geht, beweisen uns täglich unzählige Personen, die sich entweder engagieren, Ihren Mitarbeitenden Engagement ermöglichen oder selbst ein Projekt (beg)leiten. Alle verfolgen sinnstiftende Tätigkeiten – ob nun eigenberuflich, innerhalb ihres Berufes oder nebenberuflich. Es gibt also Hoffnung!

Wie eine Studie des Karrierenetzwerks XING herausfand, ist sogar die Hälfte aller Deutschen Arbeitnehmenden bereit, trotz weniger Gehalt “in einen neuen Job mit mehr Sinnhaftigkeit oder gesellschaftlicher Verantwortung zu wechseln” – so die Studie. Ich würde mich als solcher Sinn-Flüchtling bezeichnen und habe die folgenden drei Wege nacheinander ausprobiert, um ihn wiederzufinden, den so gern gewünschten Sinn. Selbstverständlich haben die Tipps keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit, können dir aber durchaus in deiner gar nicht so individuellen Situation helfen und deine Sinnsuche erleichtern.


Vorschlag #1: Sinnsuche nebenberuflich

Dein Job ist nicht das Gelbe vom Ei, aber die Bezahlung ist so verdammt gut!? Dann sieh es als Finanzierung für all das, was du dir privat leisten möchtest. Und auch, wenn du dich beizeiten durch das Büro schleppst, kannst du mehr Pfiff in dein Leben bringen: engagiere dich ehrenamtlich!

Wie eine Umfrage der Bundesregierung zeigte, machen das im weiten Sinne bereits 44% der Bevölkerung. Weit vorne liegt dabei die Freiwilligenarbeit im Sportverein, was übrigens neben Sinn auch Kontakte und Fitness bringt. Aber auch abseits des Vereins gibt es viel! Angebote wie nebenan.de erfreuen sich nicht nur in Zeiten von Corona großer Beliebtheit (auch wenn die Zuwachsraten aktuell mehr als fünfmal höher sind!). Spontan unter meiner Postleitzahl bieten mir Nachbar*innen ehrenamtlich Deutschkurse, helfen beim Einkauf oder spielen Schach mit meiner Oma. Spitze!

Hast du erstmal losgelegt, wirst du dich auch im Arbeitsalltag dabei ertappen, wie du an dein Ehrenamt denkst und Freude durch die Adern fließt. Und vielleicht stiftest du ja auch deine Kolleg*innen mit deinem neuen Spirit an.

Frau beim Basteln im Ehrenamt
Quelle: vostel.de

Vorschlag #2: Sinnsuche im bestehenden Job

Du hast vielleicht schon Vorschlag #1 ausprobiert und bist total gepackt!? Oder verfolgst eine Tätigkeit, die auch wunderbar sozialen Projekten zu Gute kommen könnte? Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass dein Unternehmen genau dies tun könnte – sich mit dem was ihr eh schon tut, sozial zu engagieren?

„Corporate Volunteering“ nennt sich das und kommt nicht nur bei den Projekten, sondern auch Chef*innen gut an. Du kannst dich mit deinen Kolleg*innen innerhalb deiner Arbeitszeit für etwas Gutes einsetzen und der Betrieb profitiert von zufriedeneren Mitarbeitenden und einer guten Außenwirkung. Letzteres ist auch immer ein Argument, um Vorgesetzte von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Außerdem: Zalando, die Deutsche Post, SAP, Vaude und viele mehr können sich so sehr nicht irren.

Ein solches Engagement-Programm lässt sich jedoch nicht ohne weiteres aufbauen. Große Organisationen unterstützten Unternehmen beim Aufbau einer Kooperation. So beispielsweise die Diakonie mit einer eigenen Arbeitsgruppe und einem Handbuch. Wenn du wie ich mit deinem Betrieb auch kleinere Projekte und Organisationen unterstützen möchtest, hilft dir vostel.de beim Aufbau einer sinnstiftenden Unternehmenskooperation.


Vorschlag #3:  Sinnsuche im neuen Job

Du merkst, dass dich weder die nebenberufliche Sinnfindung befriedigt, noch Vorschlag #2 bei deinem Unternehmen auf offene Ohren stößt!? Wenn auch ein offenes Gespräch mit deinen Vorgesetzten keine Lösung bringen kann, begib dich auf die Suche nach etwas Neuem. Nutze Engagement-Möglichkeiten um eine berufliche Alternative zu finden – schließlich ergibt sich fast jeder zweite Job über Kontakte!

Quelle: Unsplash

Verschiedene Organisationen nehmen sich dieses, deines Problems an. So bietet dir das Programm von OnPurpose Berlin eine Lösung: innerhalb eines Jahres unterstützt du zwei (soziale) Unternehmen mit deinen Fähigkeiten, bekommst Coaching und tauchst in eine neue Welt ein. Sinn zu finden kann dir niemand versprechen, aber jede*r Associate des Programms die/den ich sprach, fand ihn!

Wie auch immer es läuft, wofür auch immer du dich entscheidest: Lass den Kopf nicht hängen! Es gibt viele Mitstreiter*innen, die sich den gleichen Herausforderungen stellen und mit denen du dich zu deinen Möglichkeiten austauschen kannst. Das ist dann vielleicht auch der letzte Vorschlag: vernetze dich mit Gleichgesinnten! Kostenfreie Angebote gibt es zahlreich, sei es GreenBuzz, ein Treffen über Meetup oder die regelmäßigen Netzwerktreffen Nachhaltigkeit. Und jetzt musst du nur noch loslegen!


Lukas Marzi (28) ist Sinn-Flüchtling und hat den Sprung aus seinem alten Betrieb gewagt. Er hat nicht nur seinen Kaffee-Konsum reduziert, sondern veranstaltet nun auch monatlich die „Netzwerktreffen Nachhaltigkeit“ zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit. Wer Interesse an kommenden Netzwerktreffen hat, findet alle Infos hier.

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