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Queere Menschen auf der Flucht | Gründe, Herausforderungen & die Situation in der Ukraine

Queere Menschen auf der Flucht

Für queere Menschen muss kein Krieg der Auslöser für eine Flucht sein, wie es aktuell in der Ukraine der Fall ist. Denn viele sind in ihren Heimatländern auch so täglicher Diskriminierung und Bedrohung ausgesetzt. Wusstest du, dass in über 70 Ländern der Welt Menschen mit nicht-heterosexueller Orienterung noch immer strafrechtlich verfolgt werden? Und teilweise sogar von der Todesstrafe bedroht?

Map of Sexual Orientation Laws in the World
Map of Sexual Orientation Laws in the World (by ilga.org)

Die Karte der ilga (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) gibt dazu einen guten Überblick über die gesetzliche Lage weltweit. Und auch wenn Gesetze LGBTQI* Personen nicht explizit verfolgen, werden sie in vielen weiteren Ländern trotzdem systematisch diskriminiert. Zum Beispiel durch vage Gesetzestexte über öffentliche Unsittlichkeiten. Hinzu kommen Bedrohungen durch Mitbürger*innen oder sogar Familienmitglieder. Für viele ist das auch in Friedenszeiten ein Grund aus ihrer Heimat zu fliehen. Die Flucht ist dabei für queere Menschen häufig mit besonderen Herausforderungen verbunden.


Herausforderungen der Flucht am Beispiel Ukraine

Auch vor dem Ausbruch des Krieges haben sich viele queere Menschen sich außerhalb der liberalen Hauptstadt Kiew ständigen Bedrohungen und Anfeindungen ausgesetzt gesehen (siehe Bericht des Deutschlandfunk Nova). Mit dem Einmarsch der russischen Truppen gelten nun in den russisch besetzten Gebieten die gleichen homophoben Gesetze wie in Russland. Entscheiden sich LGBTQI* Menschen für eine Flucht, kommen neben den ohnehin schon schwierigen Bedingungen auf der Route zusätzliche Hürden hinzu.

Zurückblickend wünschte ich, dass ich mehr Optionen gehabt hätte. Ich wurde auf meiner Flucht diskriminiert und verspottet. Und ich hätte einfach jemanden gebraucht, der mich beschützt.

Zi Faámelus, trans Person und Künstlerin


Das falsche Geschlecht im Pass

Für viele Trans-Menschen, die ein männliches Pronom im Pass eingetragen haben, besteht die erste Schwierigkeit darin, überhaupt das Land verlassen zu können. Denn die Ukraine hat eine Wehrpflicht für alle männlichen Bürger erlassen. Von Behörden und Grenzpersonal werden sie häufig nicht ernst genommen und diskriminiert.

Ungeschützt und vulnerabel

Wenn sie es aus dem eigenen Land hinaus geschafft haben – z.B. wie Zi über einen Grenzfluss – dann sind sie auf ihrer weiteren Reise (außerhalb ihres Safespace) zumeist ungeschützt den Anfeindungen anderer Menschen ausgesetzt. Dabei kann es zu Übergriffen oder sogar (sexuellen) Belästigungen z.B. in Massenunterkünften kommen. Und auch in die Ankunftsländern sind nicht unbedingt sichere und langfristige Unterkünfte sichergestellt, da auch hier Vorurteile und Diskriminierung existieren können.

Kein Zugang zu medizinischer Versorung

Während der Flucht und auch im Ankunftsland haben die Menschen keinen (oder zumindest nicht sofort) Zugriff zu notwendigen Medikamenten wie z.B. Hormonpräparaten für Tans-Personen.


Homo-, Bi- und Transphobie sorgen also dafür, dass Menschen es in der ohnehin schon schweren Situation einer Flucht noch schwerer haben. Glücklicherweise gibt es Organisationen wie die Queere Nothilfe Ukraine, die sich für den Schutz von LGBTQI* Personen aus der Ukraine einsetzt. Wenn du sie unterstützen möchtest, kannst du dies am besten über eine Spende tun.

Wenn du Lust hast, dich selbst für queere Menschen hier in Deutschland zu engagieren, findest du einige Engagementmöglichkeiten auf vostel.de.


Gruppenbild der vostel Mitarbeiter*innen auf dem Tempelhofer Feld

Viel Spaß bei deinem Engagement wünscht dein vostel.de Team

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