Zahlen & Fakten

Engagierte 2.0 – Ergebnisse unserer Freiwilligen-Umfrage 2020

Im aktuellen Jahr 2020 engagierten sich rund 17,1 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich. Einen wichtigen Anteil davon macht eine junge, digitalisierte und internationale Zielgruppe aus, die wir über unsere Plattform vostel.de bereits seit 2015 in ehrenamtliche Engagements vermitteln.

Was diese Zielgruppe motiviert und warum sie sich ehrenamtlich engagiert – oder was sie davon abhält – haben wir von April bis Juli 2020 in einer bundesweiten Umfrage mit 1067 engagierten und nicht-engagierten jungen Menschen im Alter von 18-33 Jahren erhoben*. 

Zum heutigen internationalen Tag des Freiwilligenmanagements präsentieren wir einen Ausschnitt der Ergebnisse und geben so einen Einblick in die Wünsche, Interessen und Motivationen dieser jungen Generation von Freiwilligen.


1 I MITGESTALTUNG DER GESELLSCHAFT ALS HAUPTMOTIVATION

Im Rahmen unserer Studie ist deutlich geworden, dass vor allem das altruistische Motiv des aktiven Mitgestaltens der Gesellschaft und der eigene Beitrag zur Lösung eines Problems mit 61,5 Prozent den höchsten Stellenwert für die Befragten einnimmt. Auch wollen 31,9 Prozent mit ihrem Engagement zu einer positiven Entwicklung ihres direkten Umfeldes/ ihrer Nachbarschaft beitragen. 

Die Motivation, sich persönlich weiterzuentwickeln liegt mit 42,8 Prozent ebenfalls hoch, jedoch nur an zweiter Stelle. Deutlich weniger, nämlich 18,6 Prozent sind daran interessiert im Rahmen eines Engagements neue Leute kennenzulernen und nur 9,9 Prozent wollen damit ihre Karriere vorantreiben – letztere Motive wurden jedoch signifikant häufiger von Newcomer*innen (dazu zählen wir Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind) genannt als von Locals.


2 I WAHL DES ENGAGEMENTS FOLGT GESELLSCHAFTLICHEN TRENDS

Die Zielgruppen und Themenfelder, in denen sich die Befragten engagieren, sind im stetigen Wandel und deutlich durch größere gesellschaftliche Themen sowie deren Wandel geprägt. 

Während in der Vergangenheit beispielsweise das Engagement für Kinder und Jugendliche eines der wichtigsten Themenfelder war (39 Prozent engagierten sich dafür in der Vergangenheit im Vergleich zu 26,6 Prozent, die es zukünftig in Erwägung ziehen), rückt das Thema Natur-, Umwelt- und Tierschutz für potentiell zukünftig Engagierte viel stärker in den Fokus (34,1 Prozent wollen sich zukünftig dafür engagieren im Vergleich zu 15,1 Prozent, die dies in der Vergangenheit taten). Diese Entwicklung lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Dringlichkeit und mediale Präsenz des Themas Klimawandel zurückführen.

Unterschiede bei der Relevanz der Themen konnten wir zudem im Vergleich zwischen Stadt- und Landbevölkerung feststellen. In Großstädten wurden vor allem Chancengleichheit & Vielfalt, Migrant*innen & Geflüchtete, Obdachlose Menschen sowie Zero Waste & Lebensmittelrettung signifikant häufiger genannt.Dahingegen sind in Klein- und Mittelstädten sowie auf dem Land die freiwillige Feuerwehr, Freiwilligendienste (FSJ, FÖJ, Wehrdienst), Natur-, Umwelt- & Tierschutz sowie Sport und Freizeitgestaltung die beliebteren Einsatzfelder.


3 I PERSÖNLICHE EMPFEHLUNG BESONDERS RELEVANT

Im Zentrum der Engagementforschung steht natürlich auch immer die Frage danach, wie junge Menschen zu ihrem Engagement kommen. Unsere Umfrage hat gezeigt, dass ein signifikanter Anteil der jungen Freiwilligengeneration vor allem durch Familie, Freund*innen und Bekannte (45,8 Prozent) auf ein Engagement aufmerksam wird. Dabei ist Mundpropaganda vor allem in Kleinstädten und auf dem Land mit Abstand der beste Weg neue Engagierte zu gewinnen.

Zwar deutlich geringer, jedoch mit 18,8 Prozent der zweitwichtigste Weg, um ein Engagement zu finden, ist die Internet-Suche (über Google, Ecosia, etc.). Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Online-Auffindbarkeit eines Engagements durch u.a. ein gutes Suchmaschinen-Ranking der eigenen Webseite oder der Webseite von Vermittlern auf der die eigenen Engagement-Angebote zu finden sind.
Social Media Kanäle sind insgesamt nur bedingt relevant wenn Freiwillige aktiv nach Engagement-Möglichkeiten suchen. Allerdings steigt die Relevanz sozialer Netzwerke, wenn potentielle Freiwillige bei der Suche nach Freizeitaktivitäten zufällig auf ein Engagement-Angebot aufmerksam werden, z.B. in Facebook Gruppen (53 Prozent) oder auf Instagram (23,4 Prozent). 


Wir hoffen mit diesem Auszug einen ersten spannenden Einblick in die Welt der jungen Freiwilligengeneration vermittelt zu haben. Wer Interesse an weiteren Ergebnissen der Studie hat (inklusive unserer Tipps für gelungenes Freiwilligenmanagement), kann uns einfach per Email kontaktieren und unsere Publikation mit den Kernaussagen anfordern. Die Aussendung erfolgt dann im Laufe der kommenden Wochen.


* Datengrundlage: 

  • N = 1.067 
  • 84% sind oder waren engagiert, 16 Prozent bisher noch nicht engagiert.
  • 76% weiblich, 21% männlich, 2 % divers
  • 69% leben in Großstädten, 30% leben in Mittel- und Kleinstädten und auf dem Land
  • 26% sind Newcomer*innen (z.B. Geflüchtete, Au-Pairs, Sprachstudierende, Migrant*innen), 73% sind in Deutschland geboren und aufgewachsen

(Differenz zu 100% = keine Angabe)

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