Ehrenamt im Lebenslauf: So trägst du es richtig ein
Soft Skills sind auf dem Arbeitsmarkt gefragter denn je: 2025 wurden sie in fast jedem zweiten Job als Anforderung genannt, 2019 war es noch knapp ein Viertel (stepstone.de, 2026). Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Empathie: Genau diese Stärken entwickeln Menschen im Ehrenamt. Und trotzdem lassen viele ihr Engagement im Lebenslauf einfach weg, weil sie nicht wissen, ob es zählt oder wie sie es formulieren sollen.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, welche Ehrenämter in den Lebenslauf gehören, wie du sie richtig einträgst und wie du auch im Vorstellungsgespräch souverän damit umgehst.
Inhalt:
- Warum das Ehrenamt im Lebenslauf mehr zählt, als du denkst
- Welches Ehrenamt gehört in den Lebenslauf und welches lieber nicht
- So trägst du dein Ehrenamt richtig im Lebenslauf ein
- So nutzt du dein Ehrenamt im Vorstellungsgespräch
- Finde dein Ehrenamt auf vostel.de
- FAQ: Häufige Fragen zum Ehrenamt im Lebenslauf
1. Warum das Ehrenamt im Lebenslauf mehr zählt, als du denkst

Der Arbeitsmarkt verändert sich: Fachliche Qualifikationen sind weiterhin wichtig, aber Soft Skills werden immer häufiger zum Zünglein an der Waage. Eine Langzeit-Analyse von Stepstone zeigt, dass die Nachfrage nach der Eigenschaft “Zuverlässigkeit” seit 2019 um 354 Prozent gestiegen ist, nach “Selbstständigkeit” um 168 Prozent und nach “Teamfähigkeit” um 138 Prozent (stepstone.de, 2026). Wer ein Ehrenamt ausübt, trainiert genau diese Fähigkeiten, nicht theoretisch, sondern in der Praxis.
Was Personaler*innen im Ehrenamt sehen
Für Personaler*innen ist ein Ehrenamt kein nettes Beiwerk, sondern eine Aussage über die eigene Persönlichkeit. Es zeigt, dass jemand bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, ohne dafür bezahlt zu werden. Besonders wenn das Ehrenamt zur ausgeschriebenen Stelle passt, steigt der Mehrwert: Wer beispielsweise eine Führungsposition anstrebt und seit Jahren eine Jugendgruppe leitet, liefert damit einen guten Beleg für Führungserfahrung. Konkret lassen sich je nach Ehrenamt unter anderem folgende Kompetenzen belegen:
- Teamfähigkeit durch die Zusammenarbeit mit anderen Freiwilligen oder Zielgruppen
- Organisationstalent durch die Planung von Veranstaltungen und Abläufen
- Empathie und Kommunikationsstärke durch den Umgang mit Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen
- Eigeninitiative und Verlässlichkeit durch regelmäßiges, freiwilliges Engagement über einen längeren Zeitraum
- Leitungskompetenz durch die Übernahme von Koordinations- oder Führungsaufgaben
Ehrenamt als Karrierechance, besonders für Berufseinsteiger*innen
Gerade wer noch wenig Berufserfahrung hat, profitiert besonders vom Ehrenamt. Denn im Ehrenamt übernehmen viele Menschen schon früh Verantwortung, die sie im Berufsleben oft erst nach Jahren bekommen: Sie leiten Teams, organisieren Veranstaltungen, koordinieren Abläufe oder begleiten Menschen in schwierigen Situationen. So sammeln sie Praxiserfahrung, die sonst nur im Job entsteht und können das im Lebenslauf belegen (stepstone.de, 2025).
Ehrenamt als wertvoller “Lückenfüller” in einer Auszeit
Für Quereinsteiger*innen und Menschen nach einer Auszeit kann das Ehrenamt zudem zur Brücke werden: Es zeigt, dass sie in dieser Zeit aktiv geblieben sind und sich weiterentwickelt haben (karrierebibel.de, 2025).
2. Welches Ehrenamt gehört in den Lebenslauf und welches lieber nicht

Nicht jedes Engagement passt automatisch in jede Bewerbung. Und es geht auch nicht darum, das Ehrenamt aufzubauschen, sondern echtes Engagement so zu präsentieren, dass Personaler*innen den Mehrwert auf den ersten Blick erkennen.
Wann ist das Ehrenamt im Lebenslauf ein Plus?
Am stärksten wirkt ein Ehrenamt, wenn es inhaltlich oder kompetenzmäßig zur ausgeschriebenen Stelle passt. Wer sich beispielsweise auf eine Beratungsstelle bewirbt und seit Jahren in der Telefonseelsorge tätig ist, unterstreicht damit Empathie und Kommunikationsstärke auf eine Weise, die kein Anschreiben leisten kann (indeed.de, 2025).
Für deine Entscheidung, ob ein Ehrenamt in den Lebenslauf soll, kannst du dir folgende Fragen anschauen. Je mehr du mit ja beantworten kannst, desto mehr spricht dafür, es zu nennen:
- Hat das Ehrenamt inhaltlichen Bezug zur ausgeschriebenen Stelle?
- Belegt es Fähigkeiten, die im Job gefragt sind?
- War es eine regelmäßige, längerfristige Tätigkeit?
- Hast du dabei Verantwortung übernommen, Menschen begleitet oder Prozesse organisiert?
Was sollte lieber nicht im Lebenslauf stehen?
Es gibt Situationen, in denen die Nennung mehr schadet als nützt:
- Zu kurze Tätigkeiten wecken den Eindruck mangelnder Ausdauer.
- Politisch sensibles Engagement kann je nach Arbeitgeber unterschiedlich aufgenommen werden.
- Zu viele aktuelle Ehrenämter werfen die Frage auf, ob neben dem Job noch genug Energie übrig bleibt. Maximal zwei bis drei sind empfehlenswert.
- Kein echtes Ehrenamt: Gelegentliches Babysitten oder einmaliges Aushelfen sollte nicht als Ehrenamt deklariert werden.
- Weit zurückliegendes Engagement ohne aktuelle Relevanz wirkt schnell wie ein Lückenfüller
Ein einzelnes, gut beschriebenes Ehrenamt mit klarem Bezug zur Stelle überzeugt mehr als eine lange Liste ohne roten Faden.
(Mehr dazu auf lebenslauf.de, karrierebibel.de und jobteaser.com)
3. So trägst du dein Ehrenamt richtig im Lebenslauf ein

Welche Rubrik ist die richtige?
Im deutschen Lebenslauf gibt es keine „Pflicht-Rubrik” für das Ehrenamt. Je nach Situation bieten sich an:
- „Interessen & Hobbys“ für Engagement mit ergänzendem Charakter
- „Besondere Kenntnisse“ wenn das Ehrenamt fachlich relevante Fähigkeiten vermittelt hat
- Eigene Rubrik „Ehrenamt“ wenn das Engagement besonders relevant ist, du noch wenig Berufserfahrung hast, es mehrere Ehrenämter gibt oder der Arbeitgeber mit dem Thema Ehrenamt zu tun hat
Was muss rein und wie formulierst du es?
Folgende Informationen sollten immer enthalten sein:
- Name der Organisation
- Zeitraum
- Art der Tätigkeit
- Zwei bis drei konkrete Aufgaben
Der Schlüssel ist eine kompetenzorientierte Beschreibung, die nicht nur auflistet, was du getan hast, sondern welche Fähigkeiten du dabei eingesetzt oder entwickelt hast. Zahlen machen das Engagement greifbar: Wie viele Menschen hast du betreut? Wie groß war das Team?
(Mehr dazu auf karrierebibel.de, livecareer.de und govolunteer.com)
Einige Beispiele:
Soziales Engagement
„Ehrenamtliche Mitarbeit beim Flüchtlingshilfe e.V., seit 08/2022: Unterstützung bei Behördengängen, Organisation von Begegnungsveranstaltungen, Begleitung von ca. 10 Familien“
Vereinsarbeit
„Kassenwart im Sportverein Musterstadt e.V., 03/2020 bis 12/2023: Verwaltung des Vereinsbudgets, Erstellung von Jahresberichten, Koordination mit Vorstand“
Jugendarbeit
„Ehrenamtliche Jugendleiterin, Ev. Kirchengemeinde, seit 06/2021: Leitung einer Jugendgruppe mit 20 Teilnehmenden, Planung und Durchführung von Freizeiten“
Gibt es einen Nachweis oder eine Bescheinigung für das Ehrenamt?
Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Bescheinigung gibt es nicht, die meisten Organisationen stellen auf Anfrage aber gerne eine aus (ehrenamt-deutschland.org, 2026). Einige Bundesländer bieten zudem spezielle Plattformen dafür an, etwa den Ehrenamtsnachweis Bayern (stmas.bayern.de) oder den Kompetenznachweis Niedersachsen (ms.niedersachsen.de). Besonders wenn das Ehrenamt eine zentrale Rolle in der Bewerbung spielt, lohnt sich die Anfrage.
4. So nutzt du dein Ehrenamt im Vorstellungsgespräch

Wer ein Ehrenamt im Lebenslauf angibt, sollte damit rechnen, dass Personaler*innen mehr dazu wissen wollen. Darauf kannst du dich vorbereiten.
Warum Personaler*innen fast immer nachfragen
Das Ehrenamt ist freiwillig, und genau das macht es interessant. Personaler*innen wollen wissen: Was treibt diese Person an? Was hat sie dabei gelernt? Passt das zur Stelle? Gleichzeitig prüfen sie, ob der Eintrag glaubwürdig ist und ob die Person wirklich hinter dem steht, was sie angegeben hat.
Auf folgende Fragen solltest du vorbereitet sein:
- Warum engagierst du dich?
- Was sind deine Aufgaben?
- Was hast du dabei gelernt?
- Wie vereinbarst du das mit einem Vollzeitjob?
Bereite deine Antworten im Vorfeld vor, aber lern sie nicht auswendig. Wer locker und aus echter Überzeugung erzählt, warum ihm oder ihr das Ehrenamt wichtig ist, wirkt authentisch und hinterlässt einen deutlich stärkeren Eindruck als jemand, der eine einstudierte Antwort wiedergibt.
5. Finde dein Ehrenamt auf vostel.de

Du weißt jetzt, wie sich ein Ehrenamt positiv auf deinen Lebenslauf auswirkt, aber dir fehlt noch ein passendes Engagement? Auf vostel.de findest du eine große Auswahl an Ehrenamtsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen und Städten, von sozialer Arbeit über Umweltschutz bis hin zu Bildung und Demokratieförderung. Unkompliziert, ohne lange Vorlaufzeit und mit Organisationen, die sich über deine Unterstützung freuen. Schau einfach vorbei und finde das Ehrenamt, das zu dir passt.
6. FAQ: Häufige Fragen zum Ehrenamt im Lebenslauf
Zählt Ehrenamt als Berufserfahrung?
Formal nicht, da es unbezahlt und nebenberuflich ausgeübt wird. In der Praxis kann es aber ähnlich stark wirken, besonders wenn es relevante Kompetenzen vermittelt hat. Für Berufseinsteiger*innen kann ein gut beschriebenes Ehrenamt die fehlende Berufspraxis teilweise ausgleichen.
Wie viele Ehrenämter sollte ich angeben?
Maximal zwei bis drei. Mehr kann den Eindruck erwecken, dass zu viel Zeit ins Ehrenamt fließt. Lieber ein Engagement ausführlicher beschreiben als viele nur oberflächlich nennen.
Brauche ich einen Nachweis?
Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch, aber die meisten Organisationen stellen auf Anfrage gerne eine Bescheinigung aus. Diese macht die Angaben im Lebenslauf glaubwürdiger und kann der Bewerbung als Anlage beigefügt werden.
Kann mein Ehrenamt in der Bewerbung auch schaden?
In bestimmten Fällen, ja: zu kurze Tätigkeiten, politisch sensibles Engagement oder fehlender Bezug zur Stelle können Fragen aufwerfen. Die Lösung ist nicht, es zu verschweigen, sondern bewusst auszuwählen und es im Gespräch souverän zu erklären.
Dein vostel.de Team wünscht dir viel Erfolg bei deiner Bewerbung und wertvolle Erfahrungen in deinem Ehrenamt!








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