Ehrenamt mit queeren Menschen und LGBTQI*: Das erwartet dich
In Deutschland identifizieren sich rund 12 Prozent der Menschen als Teil der queeren Community, gleichzeitig erleben viele von ihnen Alltagsdiskriminierung, von abwertenden Kommentaren bis hin zu Hasskriminalität. Genau hier setzt Ehrenamt mit queeren Menschen und LGBTQI* an: Es schafft Räume, in denen Menschen sich sicher fühlen, sichtbar sein können und Unterstützung finden, wenn sie sie brauchen.
Ob bei der Organisation eines CSD, in der Beratung und Begleitung von queeren Geflüchteten oder in der Aufklärungsarbeit an Schulen, Ehrenamtliche leisten hier einen wichtigen Beitrag zu mehr Sichtbarkeit und Gleichberechtigung. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie es aktuell um die Situation queerer Menschen in Deutschland steht, wie Organisationen und Ehrenamtliche hier unterstützen und worauf du achten solltest, wenn du dich selbst in diesem Bereich engagieren möchtest.
Inhalt:
- Die Situation queerer Menschen in Deutschland
- Wie Organisationen und Ehrenamtliche LGBTQI* unterstützen
- Worauf du beim Ehrenamt mit queeren Menschen achten solltest
- Finde dein Ehrenamt mit LGBTQI* auf vostel.de
- FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit queeren Menschen
1. Die Situation queerer Menschen in Deutschland

LGBTQI* steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer und Intersexual, zu Deutsch also lesbisch, schwul, bisexuell, trans- und intergeschlechtlich sowie queer. Das Plus steht dabei für weitere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die sich nicht eindeutig in diese Kategorien einordnen lassen. Häufig wird im deutschsprachigen Raum auch die Abkürzung LSBTIQ* verwendet, die inhaltlich dasselbe meint.
Rund 12 Prozent der Menschen in Deutschland identifizieren sich laut LGBT+ Pride Studie als queer:
- 5 Prozent lesbisch oder schwul
- 4 Prozent bisexuell
- 1 Prozent transgender, non-binär oder genderfluid
- 1 Prozent pan- oder omnisexuell
- 1 Prozent asexuell.
Rechtlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan: Der sogenannte Schwulenparagraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, wurde erst 1994 vollständig abgeschafft. Trotzdem bleibt die gesellschaftliche Realität für viele queere Menschen von Diskriminierung geprägt.
Diskriminierung und Hasskriminalität nehmen zu
2025 registrierte die Polizei bundesweit 2.377 Straftaten aus dem Bereich Hasskriminalität gegen queere Menschen, ein neuer Höchststand und ein Anstieg von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem erleben queere Menschen auch strukturelle Benachteiligung. Rund 30 Prozent berichten von Diskriminierung im Arbeitsleben, bei Trans*-Personen sind es sogar über 40 Prozent. Im Gesundheitswesen fühlten sich 15 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr diskriminiert.
Besondere Belastung für queere Jugendliche
Besonders betroffen sind junge queere Menschen. Eine Studie zur Lebenssituation queerer Jugendlicher in Bayern zeigt, dass fast die Hälfte der 13- bis 24- jährigen im letzten Jahr Suizidgedanken hatte. Grund dafür ist häufig sogenannter Minderheitsstress: die ständige Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Ablehnung oder der Angst davor, führt zu einer erhöhten psychischen Belastung.
Wie eine andere Studie des Deutschen Jugendinstituts zeigt, haben sich die Rahmenbedingungen dafür über die Zeit deutlich verbessert: Während sich fast die Hälfte der heute 15- bis 17-Jährigen in der Schule unterstützt fühlt, berichten nur 7 Prozent der über 40-Jährigen von Unterstützung während ihrer eigenen Schulzeit. Das zeigt, wie sehr sich Schule und Gesellschaft für queere Jugendliche in den letzten Jahrzehnten zum Positiven verändert haben.
Gesellschaftliche Zustimmung bleibt ambivalent
73 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass lesbische, schwule und bisexuelle Menschen vor Diskriminierung geschützt werden sollten. Bei trans Personen sind es 70 Prozent. Konkrete gesetzliche Maßnahmen unterstützt jedoch nur jede*r Zweite. Diese Lücke zwischen grundsätzlicher Zustimmung und politischer Umsetzung zeigt: Rechtlicher Schutz allein reicht nicht aus, solange er nicht von einer breiten gesellschaftlichen Haltung getragen wird.
Genau hier setzt ehrenamtliches Engagement an, es schafft direkte Unterstützung und Sichtbarkeit für queere Menschen, unabhängig davon, wie weit die politische Debatte fortgeschritten ist.
2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche LGBTQI* unterstützen

Wichtige Organisationen und Strukturen
Ehrenamtliches Engagement hat in der queeren Community eine lange Tradition, denn viele Strukturen sind erst durch bürgerschaftlichen Einsatz entstanden, von Beratungsstellen über Zentren bis hin zu Selbsthilfegruppen. Der LSVD+ (Verband Queere Vielfalt) ist der größte nichtstaatliche LGBTQI*-Rechteverband Deutschlands und mit Landesverbänden bundesweit aktiv. Ein Großteil ihrer Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Außerdem gibt es zahlreiche lokale Vereine, CSD-Organisationen sowie Bildungsprojekte wie die SCHLAU-Initiativen, die an Schulen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aufklären.
Die Rolle von Ehrenamtlichen

Ehrenamtliche übernehmen in diesem Bereich ganz unterschiedliche Aufgaben:
Unterstützung im Hintergrund: Verwaltung, Spendenakquise oder fachliche Unterstützung (z. B. rechtliche Beratung) für queere Organisationen
Beratung und Begleitung: Unterstützung in Beratungsstellen oder als Mentor*in, etwa für queere geflüchtete Menschen
Bildungsarbeit: Durchführung von Workshops zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt an Schulen
Gemeinschaft und Begegnungsräume: Mitarbeit in queeren Jugendgruppen, Treffpunkten oder Netzwerken wie Lambda, die Austausch und Zusammenhalt ermöglichen
Sichtbarkeit und Organisation: Mitorganisation von CSD-Veranstaltungen und Demonstrationen, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media oder Veranstaltungsplanung für queere Vereine
3. Worauf du beim Ehrenamt mit queeren Menschen achten solltest

Du musst selbst nicht Teil der Community sein
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass sich nur queere Menschen selbst für die Community engagieren können. Tatsächlich sind Unterstützer*innen von außen, sogenannte Allys, ein wichtiger Teil der Bewegung. Wichtig dabei ist vor allem die eigene Haltung: aufmerksam zuhören, eigene Vorurteile reflektieren und der Community den Raum lassen, für sich selbst zu sprechen, statt die eigene Perspektive in den Vordergrund zu stellen.
Sensibilität und Vertraulichkeit
Gerade bei der Begleitung queerer Jugendlicher oder Geflüchteter ist Fingerspitzengefühl gefragt. Themen wie Coming-out, Geschlechtsidentität oder Fluchterfahrung sind oft mit persönlichen, teils belastenden Erlebnissen verbunden. Ehrenamtliche sollten deshalb besonders auf Vertraulichkeit achten und niemanden zu einem Coming-out drängen oder Informationen ungefragt weitergeben.
Punktuelles Engagement oder langfristige Begleitung
Wie viel Zeit und welche Form der Verbindlichkeit du einbringen möchtest, bleibt dir überlassen. Die Unterstützung bei einem CSD oder einer Demonstration ist meist zeitlich begrenzt und niedrigschwellig. Bei Mentoring- oder Beratungsangeboten dagegen entsteht oft eine längerfristige Vertrauensbeziehung. Hier ist dementsprechend mehr Verbindlichkeit gefragt, teils auch über mehrere Monate hinweg.
Schulungen und Vorerfahrungen
Für offene, punktuelle Engagements wie CSD-Unterstützung oder Social-Media-Arbeit brauchst du meistens keine Vorerfahrungen. Bei sensibleren Aufgaben wie Beratung oder Begleitung bieten viele Organisationen dagegen Einführungen, Workshops oder Schulungen an, teilweise auch als Voraussetzung für den Einstieg. Informiere dich am besten direkt bei der jeweiligen Organisation, welche Vorbereitungen für dein gewünschtes Engagement nötig sind.
4. Finde dein Ehrenamt mit LGBTQI* auf vostel.de
Du möchtest dich für Sichtbarkeit, Bildung oder direkte Unterstützung queerer Menschen einsetzen? Auf vostel.de findest du passende Engagementmöglichkeiten mit und für LGBTQI* in ganz Deutschland.
5. FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit queeren Menschen
Warum brauchen queere Menschen überhaupt besondere Unterstützung, herrscht nicht schon Gleichberechtigung?
Rechtlich hat sich in Deutschland viel getan, gesellschaftlich bleibt die Realität aber ambivalent. Queere Menschen erleben weiterhin Diskriminierung im Alltag, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen, außerdem nehmen queerfeindliche Straftaten zu. Ehrenamtliches Engagement setzt genau an diesen Lücken an.
Was genau macht man als Ehrenamtliche*r in diesem Bereich?
Das reicht von der Mithilfe bei CSD-Veranstaltungen über Bildungsarbeit an Schulen bis zur Beratung und Begleitung, etwa von queeren Geflüchteten. Auch organisatorische Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit oder Social Media gehören dazu.
Muss ich selbst der queeren Community angehören, um mich zu engagieren?
Nein. Auch als Ally, also als Unterstützer*in von außen, kannst du dich engagieren. Wichtig ist vor allem eine offene, reflektierte Haltung.
Was ist ein „Ally“ und wie werde ich einer/eine?
Ein*e Ally ist eine Person, die sich solidarisch mit der queeren Community zeigt, ohne selbst Teil davon zu sein. Das bedeutet: zuhören, eigene Vorurteile hinterfragen und Raum geben, statt die eigene Sichtweise in den Vordergrund zu stellen, aber auch, sich proaktiv für die Rechte queerer Menschen einzusetzen, etwa indem man Diskriminierung im eigenen Umfeld anspricht oder sich aktiv engagiert.
Was ist der Unterschied zwischen Engagement bei CSD-Events und langfristigem Ehrenamt wie Beratung oder Mentoring?
CSD-Unterstützung ist meist zeitlich begrenzt und niedrigschwellig, ideal für einen ersten Einstieg. Beratung oder Mentoring bauen dagegen auf einer längerfristigen Vertrauensbeziehung auf und erfordern entsprechend mehr Verbindlichkeit.
Worauf muss ich achten, wenn ich mich für queere Jugendliche oder Geflüchtete engagiere?
Besondere Sensibilität ist gefragt: Themen wie Coming-out oder Fluchterfahrung sind oft persönlich und belastend. Vertraulichkeit ist essentiell, niemand sollte zu einem Coming-out gedrängt oder ungefragt „geoutet“ werden.
Brauche ich eine Schulung oder Vorerfahrung, z. B. für Beratungsangebote?
Für offene Formate wie CSD-Unterstützung meist nicht. Für sensiblere Aufgaben wie Beratung oder Begleitung bieten viele Organisationen Einführungen oder Schulungen an, teils auch als Voraussetzung.
Wie erkenne ich seriöse, gut aufgestellte Organisationen in diesem Bereich?
Etablierte Strukturen wie der LSVD⁺ oder lokale, langjährig aktive Vereine sind ein guter Ausgangspunkt. Achte auf Transparenz zu Zielen und Arbeitsweisen sowie darauf, ob die Organisation klare Ansprechpersonen für Ehrenamtliche benennt.
Was bedeuten die Abkürzungen LGBTQI* / LSBTIQ* genau?
LGBTQI* steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer und Intersexual, das Plus schließt weitere Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen mit ein. LSBTIQ* ist die gängige deutschsprachige Entsprechung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen.
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Dein vostel.de Team wünscht dir wertvolle Erfahrungen im Ehrenamt mit queeren Menschen!








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