Ehrenamt für mehr Chancengleichheit: Das erwartet dich
Chancengleichheit ist eine zentrale Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft. Trotzdem hängen in Deutschland Bildungschancen, berufliche Möglichkeiten und gesellschaftliche Teilhabe noch immer stark davon ab, wo jemand herkommt, wie viel Geld die Familie hat oder ob eine Person Diskriminierung erlebt. Diese Ungleichheiten wirken sich langfristig auf die gesamte Gesellschaft aus.
Wir geben dir einen Überblick zur Situation in Deutschland, zeigen dir, wie du dich aktiv für mehr Chancengleichheit engagieren kannst und worauf du dabei achten solltest.
Inhalt:
1. Chancengleichheit in Deutschland

Chancengleichheit bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben sollten, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. In der Realität sind diese Chancen in Deutschland jedoch ungleich verteilt. Besonders deutlich zeigen sich diese Unterschiede im Bildungsbereich, bei Einkommen und im Umgang mit Diskriminierung.
Bildungschancen hängen stark vom Elternhaus ab
In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft stark über den Bildungsweg. Kinder aus akademischen Haushalten wechseln deutlich häufiger aufs Gymnasium als Kinder aus nicht akademischen Familien. Während rund 60 Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten ein Gymnasium besuchen, sind es bei Kindern aus Familien ohne Hochschulabschluss nur etwa 30 Prozent. (Quelle: ifo Institut)
Soziale Herkunft beeinflusst den Schulabschluss
Auch das Risiko, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, ist sozial ungleich verteilt. Der Nationale Bildungsbericht 2024 zeigt: Bei Jugendlichen, deren Eltern keinen beruflichen Abschluss haben, liegt der Anteil bei rund 14 bis 15 Prozent, während er bei Jugendlichen aus Familien mit höherem Bildungsabschluss der Eltern bei etwa 2 bis 3 Prozent liegt. Der Bildungsstand der Eltern hat damit einen erheblichen Einfluss auf die Bildungschancen ihrer Kinder. Diese frühen Bildungsnachteile wirken sich langfristig auf Ausbildungschancen, Berufsperspektiven und Einkommen aus.
Armut schränkt Teilhabe ein
In Deutschland sind rund 17,6 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das sind ca 21 Prozent der Bevölkerung. Besonders häufig betroffen sind vor allem kranke und alte Menschen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationsgeschichte. Finanzielle Unsicherheit schränkt nicht nur den Alltag ein, sondern auch den Zugang zu Bildung, Freizeitangeboten und gesellschaftlicher Teilhabe. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
Benachteiligung ist kein Einzelfall
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung gibt an, bereits Diskriminierung erlebt zu haben. Etwa jede dritte Person berichtet von Benachteiligung (Mediendienst-Integration), zum Beispiel aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Behinderung oder sexueller Identität. Diese Erfahrungen betreffen häufig zentrale Lebensbereiche wie:
- Bewerbungen und Arbeitsmarkt
- Wohnungssuche
- Schule und Ausbildung
- Kontakt mit Behörden
- Barrierefreiheit und Zugänglichkeit online und offline
Besonders problematisch ist, dass sich Diskriminierungsformen oft überschneiden. Menschen, die mehreren benachteiligten Gruppen angehören, sind besonders häufig betroffen und stoßen auf um so mehr strukturelle Hürden.
Warum das uns alle betrifft
Fehlende Chancengleichheit verstärkt soziale Ungleichheit und schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn Chancen dauerhaft ungleich verteilt sind, gehen Fähigkeiten für die Gemeinschaft verloren und gesellschaftliche Spaltungen nehmen zu.
Gleichzeitig betrifft das Thema langfristig jede*n von uns. Mit zunehmendem Alter oder durch Krankheit, Behinderung oder andere Lebensumbrüche können wir selbst oder Menschen in unserem direkten Umfeld auf Unterstützung angewiesen sein. Ob wir dann fairen Zugang zu Hilfe, Teilhabe und gesellschaftlicher Unterstützung haben, hängt stark davon ab, wie chancengerecht unsere Gesellschaft insgesamt aufgestellt ist.
2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche Chancengleichheit fördern

Was gemeinnützige Organisationen leisten
In Deutschland engagieren sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen dafür, Benachteiligungen abzubauen und Menschen zu stärken.
Unterstützung für Geflüchtete und Migrant*innen
Viele Organisationen begleiten Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung beim Ankommen. Initiativen wie Über den Tellerrand, Start with a Friend oder ARRIVALAID ermöglichen Begegnung, Mentoring und praktische Unterstützung im Alltag.
Auch große Träger wie Johanniter-Unfall-Hilfe, Diakonie, Malteser Hilfsdienst, Berliner Stadtmission oder youngcaritas bieten Programme in den Bereichen Integration, soziale Beratung, Sprachförderung und Inklusion an.
Teilhabe von Menschen mit Behinderung
Menschen mit Behinderung stoßen in vielen Lebensbereichen auf strukturelle Barrieren, etwa im öffentlichen Raum, im Bildungssystem oder auf dem Arbeitsmarkt. Organisationen wie Sozialheld*innen, Lebenshilfe, Deutscher Behindertenrat oder Aktion Mensch setzen sich für Inklusion, Barrierefreiheit und gleichberechtigte Teilhabe ein und machen Benachteiligung sichtbar.
Bildungsförderung
Ein zentraler Ansatzpunkt für mehr Chancengleichheit ist Bildung. Organisationen wie ArbeiterKind, Schülerpaten oder ROCK YOUR LIFE! unterstützen Kinder und Jugendliche aus nicht akademischen oder einkommensschwachen Familien.
Programme wie JOBLINGE oder die ReDI School begleiten zudem junge Menschen, insbesondere mit Migrationserfahrung, beim Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf.
Wie Ehrenamtliche eingebunden sind
Je nach Projekt arbeiten Ehrenamtliche direkt mit Menschen oder unterstützen die Arbeit der Organisation im Hintergrund. Viele Engagements sind flexibel gestaltet und lassen sich gut an den eigenen Alltag anpassen. Häufig ist auch ein digitales Engagement möglich. So können sich Menschen mit unterschiedlichen zeitlichen Ressourcen und Fähigkeiten einbringen.
Ehrenamtliche arbeiten dabei meist eng mit hauptamtlichen Teams zusammen und werden begleitet oder geschult. Ziel ist eine klare und wertschätzende Zusammenarbeit, in der Ehrenamtliche sinnvoll eingebunden sind.
Typische Tätigkeitsfelder im Ehrenamt für mehr Chancengleichheit

Ehrenamtliche können sich für Chancengleichheit auf vielfältige Weise einbringen, zum Beispiel:
- Mentoring und persönliche Begleitung: Du begleitest Kinder, Jugendliche oder Erwachsene regelmäßig, führst Gespräche, machst Mut und unterstützt bei nächsten Schritten in Schule, Ausbildung oder Alltag.
- Lernhilfe und Bildungsunterstützung: Du hilfst bei Hausaufgaben, beim Deutschlernen oder bei der Prüfungsvorbereitung, einzeln, in Gruppen oder digital.
- Unterstützung beim Übergang in Ausbildung oder Beruf: Du hilfst bei Bewerbungen, Lebensläufen oder beim Üben von Vorstellungsgesprächen und informierst über Bildungs- und Berufswege.
- Begleitung von Geflüchteten oder neu Zugewanderten im Alltag: Du unterstützt beim Ankommen, zum Beispiel bei Behördengängen, Orientierung im Stadtteil oder alltäglichen Fragen.
- Mitarbeit bei Begegnungs- und Community-Angeboten: Du hilfst bei offenen Treffpunkten, Kochabenden oder Freizeitangeboten mit und trägst zu Austausch und Begegnung bei.
- Unterstützung bei Workshops und Bildungsformaten: Du unterstützt bei der Vorbereitung oder Durchführung von Workshops, Schulprojekten oder Bildungsvorträgen zu Vielfalt und Chancengleichheit.
- Öffentlichkeitsarbeit und digitale Unterstützung: Du hilfst bei Social Media, Texten, Übersetzungen oder Recherchen, oft flexibel und ortsunabhängig.
- Organisation und Koordination von Aktionen und Veranstaltungen: Du unterstützt bei der Planung und Umsetzung von Aktionstagen, Events oder Infoständen.
3. Worauf du beim Ehrenamt für mehr Chancengleichheit achten solltest

Offenheit und Lernbereitschaft mitbringen
Im Engagement für Chancengleichheit triffst du auf Lebensrealitäten, die sich von deinen eigenen unterscheiden können. Wichtig ist, offen zu bleiben, zuzuhören und bereit zu sein, die eigene Perspektive zu hinterfragen. Fachwissen ist dabei weniger entscheidend als Offenheit und Lernbereitschaft.
Eigene Rolle realistisch einschätzen
Auch wenn Ehrenamtliche viel bewirken können, lösen sie strukturelle Probleme nicht allein. Dein Engagement ist ein Beitrag unter vielen. Es geht nicht darum, Menschen zu „retten“, sondern sie zu unterstützen und zu stärken. Auf Augenhöhe und mit Respekt.
Sensibel mit Diskriminierung umgehen
Diskriminierung ist für viele Menschen Alltag. Wenn du dich in diesem Bereich engagierst, kann es sein, dass dir Erfahrungen von Ausgrenzung begegnen. Wichtig ist, diese ernst zu nehmen, nicht zu relativieren und Betroffene nicht in Erklärungsrollen zu drängen.
Grenzen kennen und akzeptieren
Du darfst und sollst Grenzen setzen. Das gilt für deinen Zeitaufwand ebenso wie für emotionale Belastung. Seriöse Organisationen begleiten Ehrenamtliche, bieten Austauschmöglichkeiten und klare Ansprechpartner*innen. Nutze diese Angebote.
Passendes Engagement wählen
Chancengleichheit ist ein breites Feld. Überlege dir, was zu dir passt:
- Möchtest du direkt mit Menschen arbeiten oder eher im Hintergrund unterstützen?
- Welche Art von Tätigkeit findest du spannend?
- Wie viel Zeit kannst du realistisch einbringen?
- Möchtest du vor Ort oder digital aktiv sein?
Ein Ehrenamt passt dann gut, wenn es sich realistisch in deinen Alltag integrieren lässt.
4. Finde dein Ehrenamt für mehr Chancengleichheit auf vostel.de
Wenn du dich für ein Ehrenamt im Bereich Chancengleichheit interessierst, unterstützt dich vostel.de dabei, ein passendes Engagement zu finden. Von einmaligen Aktionen und Workshops bis hin zu regelmäßigen Einsätzen in Mentoring-Programmen, Bildungsprojekten oder Antidiskriminierungsinitiativen findest du hier eine vielfältige Auswahl an Engagementmöglichkeiten.
FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt für mehr Chancengleichheit
Brauche ich Vorerfahrung im Ehrenamt für mehr Chancengleichheit?
Nein. Viele Organisationen freuen sich über engagierte Menschen ohne Vorerfahrung. Wichtig sind Offenheit, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft zu lernen.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Das hängt vom Engagement ab. Manche Ehrenämter sind einmalig oder zeitlich begrenzt, andere laufen regelmäßig. Viele Angebote sind flexibel und gut mit Alltag, Job oder Studium vereinbar.
Welche Aufgaben übernehme ich konkret?
Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Typische Aufgaben sind zum Beispiel die Begleitung von Familien oder Kindern, Unterstützung bei Freizeit oder Bildungsangeboten oder Hilfe im Alltag. Du übernimmst keine professionelle Beratung, sondern begleitest und unterstützt.
Kann ich mich auch digital engagieren?
Ja. Es gibt viele digitale Möglichkeiten, zum Beispiel Mentoring, Sprach-Tandems, Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzungen oder Unterstützung bei Recherchen und Social Media.
Für wen eignet sich ein Ehrenamt für mehr Chancengleichheit?
Für alle, die sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen möchten. Egal ob jung oder alt, berufstätig, in Ausbildung oder im Ruhestand.
Was bewirkt mein Engagement für mehr Chancengleichheit konkret?
Du unterstützt einzelne Menschen, stärkst Teilhabe und trägst dazu bei, Ungleichheiten abzubauen. Auch ein begrenztes Engagement kann für andere einen spürbaren Unterschied machen.
Dein vostel.de Team wünscht dir viel Spaß mit deinem Ehrenamt für mehr Chancengleichheit!








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