Ehrenamt mit Frauen: Das erwartet dich
Gleichberechtigung ist in Deutschland gesetzlich verankert, im Alltag aber längst nicht überall Realität. Frauen sind häufiger von Armut, Gewalt und beruflicher Benachteiligung betroffen, tragen den größten Teil unbezahlter Care-Arbeit und sind in politischen wie wirtschaftlichen Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert.
In diesem Beitrag erfährst du mehr darüber, vor welchen Herausforderungen viele Frauen in Deutschland stehen, welche Organisationen sie unterstützen und wie du mit einem Ehrenamt selbst etwas beitragen kannst.
Inhalt:
- Die Situation von Frauen in Deutschland
- Wie Organisationen und Ehrenamtliche Frauen unterstützen
- Worauf du beim Ehrenamt mit Frauen achten solltest
- Finde dein Ehrenamt mit Frauen auf vostel.de
- FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit Frauen
1. Die Situation von Frauen in Deutschland

Ob im Beruf, zu Hause oder in der Politik, Frauen stoßen in Deutschland auch heute noch auf strukturelle Benachteiligungen, die ihre Sicherheit, Selbstbestimmung und Chancengleichheit betreffen. Einige zentrale Probleme sind dabei:
Gewalt gegen Frauen
Jede dritte Frau in Deutschland hat seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt, häufig durch Partner oder Ex-Partner. 2024 wurden 171.069 Frauen und Männer als Opfer von Partnerschaftsgewalt registriert, rund 80 Prozent davon weiblich. 132 Frauen wurden durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet (BKA, 2025). Das Dunkelfeld ist dabei erheblich: Laut der Opferbefragung LeSuBiA liegt die Anzeigequote bei Partnerschaftsgewalt bei unter fünf Prozent.
Dazu kommt Stalking: 14,4 % der Frauen sind irgendwann in ihrem Leben davon betroffen, bei Männern sind es 5,1 % (WEISSER RING Stiftung). Stalking findet dabei zunehmend auch digital statt: 2024 wurden 18.224 Frauen Opfer digitaler Gewalt durch Cyberstalking, Bedrohungen oder Nötigung, ein Anstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr (BKA, 2025).
Unbezahlte Care-Arbeit
Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt: Frauen leisten 44,3 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Destatis, 2024). Das sind jede Woche insgesamt rund neun Stunden, also ein ganzer Arbeitstag. Hinzu kommt der sogenannte „Mental Load“, also die unsichtbare Planungs- und Organisationsarbeit im Alltag, die ebenfalls überwiegend bei Frauen liegt. Zudem sind rund 80 % der Alleinerziehenden in Deutschland Frauen (Der Paritätische, 2023).
Arbeit, Einkommen und finanzielle Absicherung
Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt noch immer 16 % weniger pro Stunde als Männer (Destatis, 2025). Sie sind häufiger in schlechter bezahlten Branchen tätig, arbeiten öfter in Teilzeit und haben durch Care-Zeiten häufiger unterbrochene Erwerbsbiografien. Das schlägt sich direkt auf die Rente nieder: Frauen erhalten im Schnitt 36,9 % weniger eigene Rentenansprüche als Männer und sind mit 20,3 % häufiger armutsgefährdet (Destatis, 2025, Statistik-bw, 2020).
Besonders problematisch ist die Situation bei geflüchteten Frauen: Sie sind mit 35 % nur halb so häufig erwerbstätig wie der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt, während geflüchtete Männer mit 76 % sogar über dem männlichen Durchschnitt liegen. Hauptgründe sind der unzureichende Zugang zu Kinderbetreuung, geringere Bildungsabschlüsse und häufig auch fehlende soziale Netzwerke (IAB, 2024).
Gesundheit
Frauen leben im Schnitt länger als Männer, verbringen aber deutlich mehr Lebensjahre mit gesundheitlichen Einschränkungen. Der sogenannte „Gender Health Gap“ beschreibt eine systematische Benachteiligung im Gesundheitswesen:
Medikamente werden überwiegend an männlichen Körpern getestet, Symptome werden bei Frauen häufiger zu spät erkannt oder falsch eingeordnet, zum Beispiel bei Herzinfarkten oder Autoimmunerkrankungen. Krankheiten wie Endometriose sind bis heute untererforscht. Und fast jede dritte Frau berichtet von Benachteiligungen beim Arztbesuch (AOK, 2025).
Macht und Repräsentation
Frauen stellen 51 % der Bevölkerung, sind aber in Entscheidungspositionen deutlich unterrepräsentiert: Im Bundestag sank ihr Anteil nach der Wahl 2025 auf 32,4 % (Bundesstiftung Gleichstellung, 2025), in kommunalen Vertretungen auf 30,5 %, in Führungspositionen der Wirtschaft auf 29,1 % (Destatis, 2025).
Besondere Hürden für Frauen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte
Frauen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte sind in vielen der genannten Bereiche zusätzlich belastet. So haben knapp zwei Drittel aller Bewohnerinnen in deutschen Frauenhäusern einen Migrationshintergrund (Frauenhauskoordinierung e.V.).
Der Zugang zu Unterstützung ist für sie gleichzeitig schwieriger: Sprachbarrieren, fehlendes Wissen über eigene Rechte und eine mögliche aufenthaltsrechtliche Abhängigkeit vom Partner können dazu führen, dass Betroffene Unterstützung nicht oder zu spät in Anspruch nehmen.
2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche Frauen unterstützen

Was gemeinnützige Organisationen leisten
In Deutschland engagieren sich viele Organisationen für die Situation von Frauen: von bundesweiten Dachverbänden über spezialisierte Beratungsstellen bis hin zu lokalen Initiativen.
Schutz vor Gewalt und Krisenunterstützung
Frauenhäuser, Beratungsstellen und Notaufnahmen bilden das wichtigste Netz für Frauen in akuten Krisen. Bundesweit aktiv sind die Frauenhauskoordinierung e.V., der bff Frauen gegen Gewalt e.V. mit über 210 angeschlossenen Beratungsstellen sowie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, das rund um die Uhr erreichbar ist. Wohlfahrtsverbände wie Diakonie, Caritas und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) betreiben eigene Häuser und Beratungsangebote.
Bildung, Integration und Alltagsunterstützung
Besonders für zugewanderte und geflüchtete Frauen fehlen oft grundlegende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben: Sprachkenntnisse, Mobilität, Alltagsorientierung.
#BIKEYGEES e.V. (Berlin) und Bike Bridge e.V. (Freiburg) bringen Frauen mit und ohne Fluchtgeschichte kostenlos das Fahrradfahren bei, für mehr Mobilität und Selbstbestimmung im Alltag. IN VIA Deutschland begleitet geflüchtete Frauen mit Sprachkursen, Begegnungscafés und Patenschaftsprojekten. Bundesweit vermittelt das Programm „Menschen stärken Menschen“ (BMFSFJ) Patenschaften zwischen Freiwilligen und Frauen mit Migrationsgeschichte. Koordiniert wird vieles davon durch den Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra e.V.), der über 70 Mitgliedsorganisationen vernetzt.
Beruf, Gleichstellung und Öffentlichkeit
UN Women Deutschland und der Deutsche Frauenrat setzen sich auf politischer Ebene für Gleichstellung ein und machen Themen wie Lohnungleichheit oder Gewaltschutz öffentlich sichtbar. Regionale Frauenzentren und Organisationen ergänzen das durch Bewerbungscoaching, Berufsberatung und Wiedereinstiegsprogramme. TERRE DES FEMMES engagiert sich mit Kampagnen und Bildungsarbeit für Frauenrechte.
Wie Ehrenamtliche eingebunden sind
Als Ehrenamtliche*r kannst du dich im direkten Kontakt mit Frauen einbringen oder im Hintergrund dazu beitragen, dass Angebote überhaupt stattfinden können. Die Tätigkeiten reichen von akuter Krisenunterstützung über Bildungsarbeit bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit und politischem Engagement.
Typische Tätigkeitsfelder im Ehrenamt mit Frauen

Als Ehrenamtliche*r kannst du dich auf vielfältige Weise einbringen, zum Beispiel:
- Alltagsbegleitung: Du unterstützt Frauen in Beratungsstellen, begleitest sie zu Behörden und Ämtern und hilfst ihnen, sich im Unterstützungssystem zu orientieren.
- Berufliches Mentoring: Du begleitest Frauen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte bei der Jobsuche, hilfst bei Bewerbungsunterlagen und stehst als Mentorin zur Seite.
- Lernunterstützung und Sprachförderung: Du leitest Gesprächskreise auf Deutsch, unterstützt Mädchen bei Hausaufgaben oder hilfst Frauen dabei, ihre Deutschkenntnisse im Alltag zu festigen.
- Kinderbetreuung: Du unterstützt Frauen in schwierigen Lebenssituationen bei der Betreuung ihrer Kinder und schaffst so Entlastung und schenkst den Kindern zusätzlichen Halt.
- Gesundheit und Fürsorge: Du hilfst in Gesundheitszentren bei praktischen Aufgaben, begleitest Frauen zu Arztterminen oder unterstützt pflegende Tätigkeiten im Alltag.
- Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation: Du unterstützt Organisationen in der Öffentlichkeits- und Social-Media-Arbeit, zum Beispiel für Initiativen zu Frauenrechten oder psychischer Gesundheit.
- Projektmanagement und Organisation: Du bringst dich in Koordinationsrollen ein, etwa als Event- oder Engagement-Manager*in bei Organisationen, die sich für Frauen einsetzen.
3. Worauf du beim Ehrenamt mit Frauen achten solltest

Rücksichtsvolle Begleitung
Wenn du Frauen begleitest, die Gewalt erlebt haben, ist es wichtig, präsent zu sein, ohne Druck auszuüben oder Erwartungen zu haben. Denn viele Frauen haben erlebt, dass andere über sie bestimmen. Deine Rolle ist es daher, Optionen aufzuzeigen und zu unterstützen. Selbstbestimmung sollte immer die Grundlage sein.
Motivation wichtiger als Vorwissen
Du brauchst keine Ausbildung in Sozialarbeit, Pädagogik oder Psychologie. Fast alle Organisationen bieten Einführungen an, in denen du lernst, wie du in schwierigen Momenten reagierst und wann du weitervermittelst. Für manche Tätigkeiten, besonders in Frauenhäusern und Beratungsstellen, ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nötig.
Vertraulichkeit ist Pflicht
Was du im Ehrenamt erfährst, bleibt dort. Das gilt besonders, wenn du mit Frauen arbeitest, die Gewalt erlebt haben. Aber auch im Mentoring oder Sprachkurs teilen Frauen persönliche Dinge: Verschwiegenheit ist überall Grundlage des Vertrauens.
Eigene Grenzen kennen
Ob du Geschichten von Gewalterfahrungen hörst oder eine Frau beim schwierigen Wiedereinstieg in den Beruf begleitest: Manches bleibt hängen. Nutze Supervisions- und Austauschangebote und sprich mit deiner Ansprechperson, wenn dich etwas beschäftigt.
4. Finde dein Ehrenamt mit Frauen auf vostel.de
Ob Beratung, Begleitung, Öffentlichkeitsarbeit oder praktische Unterstützung: Auf vostel.de findest du passende Möglichkeiten, Frauen in deiner Nähe oder auch ortsunabhängig zu unterstützen. Schau einfach in unsere Übersicht und finde das Ehrenamt, das zu dir passt.
FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit Frauen
Muss ich besondere Vorkenntnisse mitbringen?
Nein. Die meisten Organisationen setzen keine spezifische Ausbildung voraus. Wichtiger sind Empathie, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, dich einzuarbeiten. Viele Einrichtungen bieten eigene Einführungen und Schulungen an, die dich auf deine Tätigkeit vorbereiten.
Kann ich mich auch als Mann engagieren?
Ja, in vielen Bereichen schon. Im direkten Kontakt in Frauenhäusern gilt in der Regel der Schutzraumgedanke, der den Zugang für Männer einschränkt. In der Öffentlichkeitsarbeit, bei Veranstaltungen oder in organisatorischen Aufgaben sind Männer jedoch herzlich willkommen. Informiere dich direkt bei der jeweiligen Organisation über die konkreten Möglichkeiten.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Das hängt von der Tätigkeit und der Organisation ab. Viele Engagementmöglichkeiten sind flexibel gestaltet, von wenigen Stunden im Monat bis hin zu regelmäßigen wöchentlichen Einsätzen. Auf vostel.de kannst du gezielt nach einmaligen, projektbasierten oder regelmäßigen Angeboten filtern.
Wie gehe ich mit belastenden Erlebnissen um?
Sprich offen mit den hauptamtlichen Ansprechpersonen der Organisation, bei der du aktiv bist. Viele Einrichtungen bieten Supervision oder regelmäßige Austauschrunden für Ehrenamtliche an. Nimm diese Angebote wahr und scheue dich nicht, Grenzen zu kommunizieren.
Was bewirkt ehrenamtliches Engagement für betroffene Frauen?
Ehrenamtliches Engagement kann für betroffene Frauen einen entscheidenden Unterschied machen. Eine ehrenamtliche Telefonbereitschaft nachts bedeutet, dass eine Frau in einer akuten Krisensituation nicht ins Leere läuft. Kinderbetreuung im Frauenhaus gibt Kindern trotz schwieriger Umstände ein Stück Normalität. Und Öffentlichkeitsarbeit sorgt dafür, dass das Thema gesellschaftlich sichtbar bleibt. Ehrenamtliches Engagement schließt Lücken, die das System allein nicht füllen kann.
Dein vostel.de Team wünscht dir wertvolle Erfahrungen in deinem Ehrenamt mit Frauen!








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