Ehrenamt mit obdachlosen Menschen: Das erwartet dich
Obdachlosigkeit betrifft in Deutschland zehntausende Menschen, die dauerhaft auf der Straße leben. Insgesamt sind über eine Million Menschen wohnungslos, viele davon in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften. Die Zahlen steigen seit Jahren und für Betroffene bedeutet das oft Unsicherheit, gesundheitliche Belastungen und soziale Ausgrenzung.
Gleichzeitig engagieren sich viele Organisationen und Ehrenamtliche, um obdachlose Menschen im Alltag zu unterstützen. In diesem Beitrag erfährst du, wie die Situation in Deutschland aussieht, welche Hilfsangebote es gibt und wie du dich selbst im Ehrenamt einbringen kannst.
Inhalt:
- Die Situation obdachloser Menschen in Deutschland
- Wie Organisationen & Ehrenamtliche obdachlose Menschen unterstützen
- Worauf du beim Ehrenamt mit obdachlosen Menschen achten solltest
- Finde dein Ehrenamt mit obdachlosen Menschen auf vostel.de
- FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit obdachlosen Menschen
1. Die Situation obdachloser Menschen in Deutschland

Was bedeuten Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit?
Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) waren im Jahr 2024 über eine Million Menschen in Deutschland wohnungslos. Das bedeutet, sie hatten keinen eigenen Mietvertrag und keinen gesicherten Wohnraum. Rund 264 000 von ihnen waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, meist gemeinsam mit ihren Eltern.
Wohnungslosigkeit umfasst unterschiedliche Lebenssituationen. Viele Menschen leben vorübergehend bei Freund*innen oder Familie. Andere sind in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Zum Stichtag am 31. Januar 2025 waren laut Statistischem Bundesamt rund 474 700 Menschen in den Unterkünften gemeldet, ein Anstieg um etwa 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rund 56 000 Menschen gelten als obdachlos, da sie dauerhaft auf der Straße leben. In diesem Beitrag geht es vor allem um Menschen im öffentlichen Raum oder in Notunterkünften, weil ihre Situation, ohne geschützten Rückzugsort, besonders belastend ist.
Warum verlieren Menschen ihre Wohnung?
In den meisten Fällen steht am Anfang eine Krise. Das können Miet- oder Energieschulden, eine Trennung, Gewalt in der Partnerschaft, eine Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes sein. Wenn in dieser Situation die Miete nicht mehr bezahlt werden kann oder ein Mietverhältnis gekündigt wird, verlieren Menschen ihre Wohnung.
Nach dem aktuellen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung sind Miet- und Energieschulden der häufigste Auslöser für Wohnungsverlust (Rund 37 Prozent der Fälle). Weitere Gründe sind Trennungen oder Scheidungen mit rund 15 Prozent oder Krankheit mit rund 7 Prozent.
Strukturelle Faktoren verstärken die Situation
Durch steigende Mieten, fehlenden bezahlbaren Wohnraum, Armut, psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen oder bürokratische Hürden beim Zugang zu Sozialleistungen wird das Risiko, die eigene Wohnung zu verlieren, erhöht.
Auch geschlechtsspezifische Abhängigkeiten spielen eine Rolle. Wenn Frauen finanziell vom Partner abhängig sind oder nicht im Mietvertrag stehen, verlieren sie bei einer Trennung, häufig auch im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, oft ihren Wohnraum. Ohne eigenes Einkommen oder Unterstützung geraten sie schnell in Wohnungslosigkeit.
Welche Herausforderungen prägen den Alltag von obdachlosen Menschen?
Das Leben obdachloser Menschen bringt extreme Belastungen mit sich, die weit über das Fehlen eines Dachs gehen. Dazu zählen:
- Gesundheitliche Risiken durch Kälte, Hitze und fehlende Rückzugsorte
- Erschwerter Zugang zu medizinischer Versorgung
- Fehlender Zugang zu regelmäßigen, gesunden Mahlzeiten
- Ausgrenzung, Stigmatisierung, soziale Isolation und Einsamkeit
- Ständige Unsicherheit und fehlende Planungsperspektiven
- oft auch psychische Belastungen durch Suchtprobleme
2. Wie Organisationen & Ehrenamtliche obdachlose Menschen unterstützen

Was gemeinnützige Organisationen leisten
In ganz Deutschland setzen sich soziale Träger, Vereine und Initiativen dafür ein, obdachlose Menschen zu unterstützen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Sie bieten sowohl akute Unterstützung als auch langfristige Begleitung an.
Zu den bekanntesten Akteuren gehören unter anderem Träger wie die Caritas, die Diakonie, die Johanniter, dieMalteser sowie regionale Organisationen wie die Berliner Stadtmission und viele kleinere Initiativen.
Sie bieten Betroffenen neben akuter Hilfe auch langfristige Unterstützung:
- Alltäglicher Bedarf: Essensausgaben, Kleiderkammern und Wärmestuben
- Medizinische Versorgung: Gesundheitsversorgung, psychosoziale Hilfe und Hygiene-Angebote
- Wohnraum: Tagesstätten, Notübernachtungen sowie Wohnprojekte und Übergangsangebote
- Mobile Angebote: aufsuchende Streetworker, Kältebusse im Winter, mobile Duschbusse, mobile Kleiderkammern
- Beratung & Betreuung: Sozialberatung, Unterstützung bei Behörden und Anträgen, Wohnraumsuche, Krankenkassenanmeldung, Jobsuche oder Suchtberatung
Die Angebote gehen über reine Notversorgung hinaus. Ziel ist es, Menschen im Alltag zu stabilisieren und sie langfristig wieder in gesicherte Wohn- und Lebensverhältnisse zu bringen.
Wie Ehrenamtliche eingebunden sind
Als Ehrenamtliche*r kannst du zum einen im direkten Kontakt mit obdachlosen Menschen unterstützen, etwa bei Essensausgaben, in Tagesstätten, bei Begleitungen zu Terminen oder im persönlichen Gespräch. Dort schenkst du Zeit, hörst zu und hilfst im Alltag dort, wo Unterstützung gebraucht wird.
Daneben gibt es viele Aufgaben ohne unmittelbaren Kontakt. So kannst du bei der Organisation von Angeboten, dem sortieren Spenden, bei Veranstaltungen oder in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv werden. Diese Tätigkeiten sorgen dafür, dass Hilfsangebote zuverlässig stattfinden und weitergeführt werden können.
Typische Tätigkeitsfelder im Ehrenamt mit obdachlosen Menschen

Als Ehrenamtliche*r kannst du dich auf vielfältige Weise einbringen, zum Beispiel:
- Unterstützung bei Essens- und Sachausgaben: Du hilfst bei der Vorbereitung und Ausgabe von Mahlzeiten, Getränken, Kleidung oder Hygieneartikeln und sorgst dafür, dass Menschen unkompliziert versorgt werden. Zudem kannst du hier ins Gespräch kommen und Menschen ein offenes Ohr schenken.
- Mitarbeit in Tagesstätten und offenen Treffpunkten: Du unterstützt bei offenen Angeboten, bereitest Getränke oder kleine Mahlzeiten vor, hilfst bei organisatorischen Aufgaben und bist Ansprechperson vor Ort.
- Alltagsbegleitung: Du unterstützt bei Arztterminen, Behördengängen oder Orientierung im Hilfesystem, immer koordiniert mit hauptamtlichen Teams (z. B. Berliner Stadtmission, Housing-First-Projekte).
- Organisatorische Unterstützung im Hintergrund: Du hilfst beim Sortieren von Spenden, bei Vorbereitungen für Angebote oder bei logistischen Aufgaben, auch ohne direkten Kontakt zu den Besucher*innen.
- Öffentlichkeitsarbeit und digitale Unterstützung: Du unterstützt Organisationen bei Social Media, Texten, Recherchen oder der Pflege von Websites und hilfst so, Aufmerksamkeit für das Thema Obdachlosigkeit zu schaffen.
3. Worauf du beim Ehrenamt mit obdachlosen Menschen achten solltest

Begegne Menschen auf Augenhöhe
Obdachlose Menschen haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Wichtig ist, ihnen respektvoll, offen und ohne Vorurteile zu begegnen. Offenheit hilft dir, Lebensrealitäten zu verstehen, die sich stark von deiner eigenen unterscheiden.
Du musst nichts „lösen“
Im Ehrenamt geht es nicht darum, Probleme zu beheben oder schnelle Lösungen zu finden. Oft ist es schon viel wert, Zeit zu schenken, zuzuhören oder im Alltag zu unterstützen.
Achte auf deine eigenen Grenzen
Begegnungen können emotional berühren oder herausfordern. Es ist völlig in Ordnung, eigene Grenzen wahrzunehmen und bei Fragen und Unsicherheiten deine Betreuungsperson anzusprechen.
Verlässlichkeit ist wichtig
Viele Angebote für obdachlose Menschen sind auf feste Abläufe angewiesen. Wenn du dich engagierst, solltest du Absprachen einhalten und verlässlich zu Terminen erscheinen.
Nutze die Unterstützung der Organisation
Du bist im Ehrenamt nicht allein. Hauptamtliche Mitarbeitende geben Orientierung, klären Aufgaben und stehen als Ansprechpartner*innen zur Verfügung. Scheue dich nicht, Fragen zu stellen oder Unterstützung einzufordern.
4. Finde dein Ehrenamt mit obdachlosen Menschen auf vostel.de
Wenn du dich ehrenamtlich für obdachlose Menschen engagieren möchtest, findest du auf vostel.de eine große Auswahl an passenden Engagementmöglichkeiten. Suche einfach nach Projekten, die zeitlich und inhaltlich zu dir passen.
FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt mit obdachlosen Menschen
Brauche ich Vorerfahrung für ein Ehrenamt mit obdachlosen Menschen?
Nein. Für viele Engagements sind keine Vorkenntnisse nötig. Wichtig sind Offenheit, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, Menschen respektvoll zu begegnen. Die Organisationen bereiten dich in der Regel gut auf deine Aufgabe vor.
Wie viel Zeit muss ich einplanen und ist auch kurzfristiges Engagement möglich?
Der zeitliche Umfang hängt vom jeweiligen Projekt ab. Manche Einsätze, etwa bei Essensausgaben oder beim Sortieren von Sachspenden, dauern nur wenige Stunden. Andere Angebote wie Alltagsbegleitung oder Notübernachtungsschichten finden regelmäßig statt, zum Beispiel einmal pro Woche.
Habe ich direkten Kontakt zu obdachlosen Menschen?
Das kommt auf das Projekt an. Manche Tätigkeiten beinhalten viel persönlichen Kontakt, andere finden eher im Hintergrund statt. Du kannst selbst entscheiden, welche Form des Engagements für dich passend ist.
Wie begegne ich obdachlosen Menschen richtig?
Respekt, Offenheit und Begegnung auf Augenhöhe sind zentral. Du begegnest Menschen mit individuellen Lebensgeschichten. Zuhören und ernst nehmen ist oft wichtiger als Ratschläge oder Lösungen.
Was bewirkt mein Engagement für obdachlose Menschen konkret?
Du unterstützt Menschen in einer schwierigen Lebenssituation ganz direkt im Alltag. Ob durch ein Gespräch, praktische Hilfe oder verlässliche Unterstützung bei Angeboten, dein Engagement trägt dazu bei, Stabilität zu schaffen und soziale Isolation zu verringern. Auch ein begrenzter Einsatz kann für einzelne Menschen einen spürbaren Unterschied machen.
Dein vostel.de Team wünscht dir ganz viel Erfolg mit deinem Ehrenamt mit obdachlosen Menschen!








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