Junge Ehrenamtliche gewinnen & binden: Ein Praxisleitfaden für Non-Profits
Junge Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern und langfristig zu binden, ist für viele Organisationen eine Herausforderung. Veränderte Lebensrealitäten, knappe Zeitbudgets und digitale Kommunikationsgewohnheiten erfordern neue Ansätze im Freiwilligenmanagement.
Dabei bringen junge Ehrenamtliche wertvolle Perspektiven, digitale Kompetenzen und frische Ideen mit. Wer ihre Motivation versteht, Engagementangebote klar formuliert und die richtigen Kanäle nutzt, kann sie gezielt ansprechen und auch langfristig an die Organisation binden. Wie das geht, zeigen wir euch in diesem Beitrag.
So solltet ihr vorgehen:
- 1. Die Zielgruppe verstehen
- 2. Ehrenamtliche gewinnen: Kanäle & Ansprache
- 3. Ehrenamtliche langfristig binden
- 4. Ehrenamtliche finden mit vostel.de
Das Wichtigste auf einen Blick
- Einstieg meist über kurzfristiges Engagement, aber oft Bereitschaft für mehr
- Hauptmotivation ist Mitgestaltung von Gesellschaft und Lösung von Problemen
- Klare, aktivierende Ausschreibungen sind entscheidend für die Einstiegsmotivation
- Digitale Kanäle spielen die zentrale Rolle bei der Gewinnung
- Wertschätzung und verlässliche Kommunikation stärken langfristige Bindung
1. Die Zielgruppe verstehen
Wer sind die jungen Ehrenamtlichen?

Junge Ehrenamtliche sind keine homogene Gruppe. Ihre Erwartungen, Erfahrungen und Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Hintergrund und Lebensphase erheblich.
Die Zielgruppe umfasst unter anderem:
- Schüler*innen, die erste Erfahrungen im Ehrenamt sammeln möchten
- Auszubildende, die sich neben ihrer Ausbildung engagieren
- Studierende, die Praxiserfahrung und sinnvolle Projekte suchen
- Berufseinsteiger*innen, die etwas Sinnvolles neben dem Job machen wollen, aber deren Zeitbudget oft begrenzt ist
- Menschen zwischen zwei Lebensphasen, die für die Übergangszeit eine sinnvolle Tätigkeit suchen.
- Newcomer*innen und Expats, die durch Flucht, als Au-Pairs, internationale Studierende oder zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind und hier Anschluss suchen und etwas zur Gesellschaft beitragen wollen.
Besonders die letzte Gruppe wird häufig vernachlässigt, dabei macht sie einen nicht unerheblichen Anteil der engagierten jungen Menschen aus. Auf vostel.de sind das beispielsweise mehr als 50% der Registrierten.
Engagement zunächst meist einmalig oder kurzfristig
Unabhängig vom Lebensabschnitt entscheiden sich viele zunächst für ein projektbezogenes oder zeitlich begrenztes Engagement. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie kein Interesse an längerfristigen Bindungen haben. Unsere vostel-Freiwilligenumfrage mit 1.000 Teilnehmenden zeigt sogar eine deutliche Tendenz zu langfristigem Engagement, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Entscheidend ist die Möglichkeit, Organisation und Tätigkeit kennenzulernen, bevor eine längerfristige Entscheidung fällt. Wir empfehlen Organisationen daher, zunächst niedrigschwellige „Einstiegsprojekte“ anzubieten, die zeitlich begrenzt sind und einen ersten Einblick ermöglichen.
Was motiviert junge Menschen zum Engagement?
Der mit Abstand häufigste Motivationsgrund ist der Wunsch, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten und zur Lösung sozialer oder gesellschaftlicher Probleme beizutragen. Über 60 Prozent der Befragten in unserer Umfrage nannten dies als Hauptgrund für ihr Engagement.

Junge Freiwillige achten daher bei der Suche nach einem Ehrenamt besonders darauf, welche Vision eine Organisation verfolgt, welchen gesellschaftlichen Beitrag sie leistet und wie die Arbeit von Freiwilligen konkret dazu beiträgt. Eine klare, authentische Vision ist deshalb ein entscheidender Faktor bei der Gewinnung.
Zwei Beispiele für klare Visionen:
Start with a Friend e.V. formuliert ihre Vision so:
„Unsere Vision ist eine Gesellschaft, die ihre Vielfalt lebt. Alle Menschen fühlen sich wohl und gestalten gleichberechtigt mit. Dafür schaffen wir persönliche Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte.“
#BIKEYGEES e.V. macht den gesellschaftlichen Nutzen unmittelbar deutlich:
„Jede Frau auf der Welt sollte Radfahren können. Und dürfen! Unsere Trainings schaffen sofort sichtbare und nachhaltige Veränderungen für die Lebensrealität der Teilnehmerinnen.“
Neben Sinn und Wirkung spielen laut unserer Umfrage auch weitere Motivatoren eine wichtige Rolle:
- Mitbestimmung bei Art und Umfang des eigenen Engagementeinsatzes
- Erwerb neuer Kompetenzen und persönliche Weiterentwicklung
- Austausch mit anderen Engagierten
Diese Motivationen könnt ihr nutzen, um junge Ehrenamtliche gezielt anzusprechen und für ein Engagement bei euch zu begeistern. Wie genau, verraten wir euch im nächsten Abschnitt.
2. Ehrenamtliche gewinnen: Kanäle & Ansprache

Wo junge Ehrenamtliche erreicht werden können
Junge Menschen informieren sich überwiegend digital über Engagementmöglichkeiten. Folgende Kanäle haben sich als besonders wichtig erwiesen:
Eure eigene Website
Sie dient als zentrale Anlaufstelle für alle, die bereits eine Idee für die Organisation oder das Thema haben, in dem sie sich engagieren wollen. Sie sollte daher gut über Suchmaschinen (Stichwort SEO) auffindbar sein und eure Engagementangebote ansprechend und übersichtlich darstellen, idealerweise mit einer eigenen Unterseite für Ehrenamt, inklusive Kontaktmöglichkeiten.
Engagementplattformen
Plattformen wie vostel.de oder die Aktion Mensch ermöglichen es, eure Engagementangebote ohne eigene Webseite und mit wenig Aufwand sichtbar zu machen. Hier erreicht ihr gezielt Menschen, die aktiv nach einem Ehrenamt suchen. Der Vorteil: Diese Plattformen sind bereits SEO-optimiert und verfügen über einen großen Pool engagementwilliger Menschen.
Soziale Netzwerke
Instagram und TikTok spielen eine wichtige Rolle, denn junge Menschen nutzen sie nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch, um sich über gesellschaftsrelevante Themen zu informieren. Hier können Organisationen Einblicke in ihre Arbeit geben, Ehrenamtliche zu Wort kommen lassen oder Engagement niedrigschwellig vorstellen. Allerdings sollte der zeitliche Aufwand nicht unterschätzt werden. Ein gut gepflegter Social-Media-Kanal erfordert regelmäßige Betreuung, Interaktion und Zeit für die Contenterstellung.
Persönliche Weiterempfehlungen
Zufriedene Ehrenamtliche sind wichtige Multiplikator*innen und empfehlen Engagement häufig im Freundeskreis oder in der Familie weiter.
Bevor ihr euch für eure Kanäle entscheidet, solltet ihr klären:
- Wen möchten wir erreichen? Welche Kanäle sind dafür sinnvoll?
- Welche Ressourcen stehen uns zur Verfügung?
- Welche Inhalte können wir tatsächlich regelmäßig umsetzen?
Nicht jede Organisation kann und muss auf allen Kanälen präsent sein. Besser ist es, sich auf die Kanäle zu konzentrieren, die ihr mit euren Ressourcen auch dauerhaft bespielen könnt und die für eure Zielgruppe am wichtigsten sind. Dafür solltet ihr dann ausreichend Zeit einplanen.
So formuliert ihr ansprechende Engagement-Ausschreibungen

Eine Engagementausschreibung – egal ob auf eurer eigenen Webseite oder einer Engagementplattform – ist oft der erste Kontaktpunkt mit einer Organisation, ähnlich einer Job-Ausschreibung, nur eben für eine Ehrenamtsstelle. Sie sollte daher klar, realistisch und motivierend formuliert sein. Hier ein paar Tipps:
Wecke Interesse mit dem richtigen Titel
Der Titel entscheidet über den ersten Eindruck und darüber, ob das Projekt in die engere Auswahl kommt. Bewährt hat sich hier die Kombination aus Tätigkeit und Kontext, z.B.:
- „Unterstütze bei der Vorbereitung von Mahlzeiten in einer Notunterkunft für obdachlose Menschen“
- „Betreue Kindern bei den Hausaufgaben im Nachbarschaftszentrum“
- „Engagiere dich im Social-Media Team für eine Umweltinitiative“
Diese Formulierung macht sofort klar, worum es in dem Engagement geht und wer davon profitiert.
Formuliere direkt und aktivierend
Die Ansprache sollte dabei wie in den Beispielen direkt und aktivierend sein. Formulierungen wie „Du unterstützt uns bei …“ oder „Gemeinsam sorgen wir dafür, dass …“ funktionieren besser als abstrakte Leitbilder oder formale Sprache. Sprecht potenzielle Freiwillige direkt an statt in der dritten Person zu schreiben.
Achte auf sensible Sprache
Begriffe wie „Menschen mit Fluchthintergrund“ oder „Menschen mit Behinderung“ statt „Flüchtlinge“ oder „Behinderte“ signalisieren einen reflektierten Umgang. Auch geschlechtergerechte Sprache gewinnt bei jungen Freiwilligen zunehmend an Bedeutung.
Was eine gute Ausschreibung beinhalten sollte
Eine gute Engagementausschreibung beantwortet alle wichtigen Fragen klar und konkret:
- Was sind die nächsten Schritte? Nutzt eine einladende Abschlussformel und beschreibt idealerweise, wie der weitere Prozess abläuft.
- Worum geht es? Was ist das Ziel der Organisation und des ausgeschriebenen Engagements?
- Was passiert genau? Welche konkreten Aufgaben fallen für Freiwillige an?
- Wann und wo? Was sind Zeitpunkt, Ort und zeitlicher Aufwand der Tätigkeit?
- Welche Voraussetzungen gibt es? Gibt es Fähigkeiten oder Voraussetzungen, die benötigt werden?
- Was bietet ihr? Erstattet ihr ggf. Kosten für Fahrt oder bezahlt eine Aufwandsentschädigung? (kein Muss)
Vermeidet in eurer Ausschreibung Fachbegriffe und interne Abkürzungen, denn sie sollte auch für Außenstehende und unerfahrene Freiwillige verständlich sein. Je konkreter ihr formuliert, desto besser können Interessierte einschätzen, ob das Engagement zu ihnen passt, und desto passender werden die Anfragen sein, die ihr erhaltet.

Noch mehr Tipps für deine Engagementausschreibung findest du in unserem Blogbeitrag zur erfolgreichen Freiwilligensuche.
3. Ehrenamtliche langfristig binden
Die Bindung junger Freiwilliger gelingt vor allem durch verlässliche Strukturen, regelmäßige Kommunikation und sichtbare Wertschätzung. Im Folgenden zeigen wir, worauf es in den verschiedenen Phasen des Engagements ankommt.

Gut ins Ehrenamt starten
Ein strukturierter Einstieg erleichtert jungen Ehrenamtlichen die Orientierung. Eine kurze Einführung in die Organisation, klare Zuständigkeiten und erreichbare Ansprechpersonen schaffen Sicherheit. Ein guter Start wirkt sich positiv auf die gesamte Zusammenarbeit aus und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ehrenamtliche bleiben.
Begleitung und Kommunikation
Regelmäßige Kommunikation ist zentral für die Bindung. Junge Ehrenamtliche möchten wissen, wie ihr Engagement wirkt, und bei Fragen schnell Rückmeldung erhalten. Bewährt haben sich:
- Kurze Feedbackgespräche
- Regelmäßige Updates zur Wirkung der Arbeit
- Offene Gespräche bei Veränderungen oder Problemen
Wertschätzung im Alltag
Wertschätzung ist einer der wichtigsten Faktoren für die langfristige Bindung. In unserer Freiwilligenumfrage haben sich drei Formen als besonders wichtig herausgestellt:
1. Persönliches Lob und Wertschätzung
Für rund die Hälfte der Befragten ist dies die wichtigste Form der Anerkennung. Während Lob an konkrete Leistungen geknüpft ist, bezieht sich Wertschätzung auf die generelle Achtung der Person. Beides muss aktiv kommuniziert werden, durch freundliche Worte, persönliche Weihnachtskarten, kleine Geschenke zum Geburtstag oder auch eine Einladung zum Team-Ausflug.
2. Engagementbescheinigungen
Viele junge Freiwillige nutzen ihr Engagement für Bewerbungen oder Stipendien. Diese Form der Anerkennung ist glücklicherweise relativ einfach umzusetzen, erstellt einfach eine Vorlage, die ihr jeweils individuell anpassen könnt.
3. Weiterbildungsangebote
Weiterbildungen sind eng mit einem Hauptgrund für Engagement verknüpft: der persönlichen Weiterentwicklung. Ihr könnt sie Ehrenamtlichen gezielt anbieten entweder intern (z.B. Workshops zu euren Themen) oder indem ihr sie auf externe (kostenfreie) Angebote hinweist.
Speziell für Non-Profits und ihre Freiwilligen gibt es digitale Plattformen mit kostenlosen Kursen:
- betterplace Academy – Kurse zu Fundraising, Projektmanagement und Kommunikation
- Haus des Stiftens – Wissen rund um Non-Profit-Management
- D3 – so geht digital – Digitale Kompetenzen für gemeinnützige Organisationen
Schon der Hinweis auf solche Angebote zeigt Wertschätzung und unterstützt Freiwillige in ihrer Entwicklung.
Findet die für euch passende Form der Anerkennung
Es gibt kein Geheimrezept für Anerkennung, aber der Mix macht es. Eine kleine Umfrage unter euren Engagierten kann euch wertvolle Informationen liefern, allein die Durchführung wirkt wertschätzend, da Freiwillige nach ihrer Meinung gefragt werden.
Engagement bewusst beenden
Da Engagement oft an Lebensphasen gebunden ist, sollte der Abschluss der Zusammenarbeit bewusst gestaltet werden. Ein persönliches Dankeschön, eine kurze Rückschau auf die gemeinsame Arbeit oder eine Abschlussbescheinigung helfen dabei, den Kontakt positiv zu beenden.
So bleibt eure Organisation in guter Erinnerung, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass junge Ehrenamtliche später wieder einsteigen oder das Engagement weiterempfehlen.
4. Ehrenamtliche finden mit vostel.de
Du hast jetzt eine gute Idee davon, wer die jungen Freiwilligen sind und wie sie ticken? Dann kannst du direkt mit der Suche von Ehrenamtlichen starten und deine Organisation auf unserer Plattform vostel.de mit wenigen Klicks registrieren und Projekte online stellen, für die ihr Unterstützung sucht. Gerne unterstützen wir dich persönlich bei Fragen zur Registrierung und Erstellung von ansprechenden Gesuchen.








Noch keine Kommentare!