Zum Hauptinhalt springen

Finde dein Ehrenamt auf

Ehrenamt im Katastrophenschutz: Das erwartet dich

Hochwasser, Sturm, Waldbrand oder Stromausfall, es gibt viele Szenarien, bei denen der Katastrophenschutz ausrückt. Was viele nicht wissen: Die involvierten Organisationen arbeiten zu 94% mit Ehrenamtlichen. Fast zwei Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig im Katastrophenschutz, und trotzdem wächst der Bedarf schneller als die Zahl der Helfenden.

In diesem Beitrag erfährst du, wie der Katastrophenschutz in Deutschland aufgebaut ist, welche Organisationen und Ehrenamtlichen darin eine Rolle spielen und worauf du achten solltest, wenn du einsteigen möchtest.

Inhalt:

  1. Katastrophenschutz in Deutschland
  2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche im Katastrophenschutz helfen
  3. Worauf du beim Ehrenamt im Katastrophenschutz achten solltest
  4. Finde dein Ehrenamt im Katastrophenschutz auf vostel.de
  5. FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt im Katastrophenschutz

1. Katastrophenschutz in Deutschland

Was ist Katastrophenschutz?

Katastrophenschutz bezeichnet alle Maßnahmen, die bei außergewöhnlichen Schadensereignissen zum Schutz von Leben, Gesundheit, Umwelt und Sachwerten ergriffen werden. Er greift dann, wenn reguläre Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst allein nicht mehr ausreichen: bei großflächigen Überschwemmungen, Massenanfällen von Verletzten, weiträumigen Stromausfällen oder dem Ausfall kritischer Infrastruktur wie Wasser- und Telekommunikationsversorgung.

Der Katastrophenschutz ist Teil des übergeordneten Bevölkerungsschutzes, der in Deutschland aus zwei Säulen besteht:

  • Katastrophenschutz, der in der Verantwortung der Bundesländer liegt.
  • Zivilschutz, der vom Bund für den Verteidigungsfall organisiert wird.

Im Alltag ist es vor allem der Katastrophenschutz, der bei Naturkatastrophen, Industrieunfällen oder Pandemien zum Einsatz kommt.

Warum wird er immer wichtiger?

Deutschland ist kein Hochrisikoland im globalen Vergleich, aber die Lage verändert sich. Seit dem Jahr 2000 nehmen wetterbedingte Naturkatastrophen und die damit verbundenen Schäden hierzulande deutlich zu (Deutsches Klima Konsortium, 2025). Das Hochwasser im Winter 2023 und die heftigen Starkregenereignisse im Sommer 2024 haben gezeigt, wie schnell ganze Regionen in Not geraten können. Ein Positionspapier des Gesamtverbands der Versicherer aus dem Dezember 2025 hält fest, dass sich Klimaschäden in Deutschland seit 1980 verfünffacht haben (ZDF, Januar 2026).

Der Klimawandel erhöht nicht nur die Häufigkeit solcher Ereignisse, sondern auch ihre Intensität. Das bedeutet für den Katastrophenschutz: mehr Einsätze, längere Einsätze, komplexere Lagen. Hinzu kommen neue Bedrohungsszenarien wie großflächige Ausfälle kritischer Infrastruktur, auf die sich das System erst einstellt (BBK, Klimawandel und Bevölkerungsschutz).

Ehrenamt als tragende Säule

Dieses System funktioniert fast ausschließlich dank freiwilligem Engagement. Laut einer Studie von ZiviZ im Stifterverband im Auftrag des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aus dem Jahr 2025 engagieren sich in Deutschland 1,76 Millionen Erwachsene ehrenamtlich im Zivil- und Katastrophenschutz. Rechnet man Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren hinzu, sind es sogar knapp 1,93 Millionen, rund drei Prozent der deutschen Bevölkerung (ZiviZ im Stifterverband, „Engagement im Ernstfall“, April 2025).

Personalmangel an vielen Stellen

Gleichzeitig wächst der Druck auf die Organisationen: Nur knapp ein Drittel der operativ tätigen Einrichtungen gibt an, genügend Mitglieder zu haben, um die gestiegenen Anforderungen zu bewältigen. Leitungspositionen bleiben vielerorts unbesetzt, dabei verfügen lediglich elf Prozent der Organisationen über bezahlte Mitarbeitende (ZiviZ im Stifterverband, „Engagement im Ernstfall“, April 2025). Der Bevölkerungsschutz in Deutschland ist also in hohem Maß auf Menschen angewiesen, die sich freiwillig einbringen, und dieser Bedarf wächst.

2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche im Katastrophenschutz helfen

Bild: Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband Berlin e.V. 

Die wichtigsten Organisationen im Überblick

Der Katastrophenschutz in Deutschland ist kein einzelnes System, sondern ein Netzwerk aus verschiedenen Organisationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die wichtigsten im Überblick:

  • Freiwillige Feuerwehr: Mit Abstand die größte Säule im deutschen Katastrophenschutz. Ehrenamtliche übernehmen Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, Menschenrettung und Umweltschutzmaßnahmen, etwa bei Öl- oder Chemieunfällen. Viele Kommunen wären ohne die Freiwillige Feuerwehr nicht handlungsfähig.
  • Technisches Hilfswerk (THW): Eine Bundesbehörde, die zu 99 Prozent ehrenamtlich getragen wird. Rund 88.000 Helfer*innen in 668 Ortsverbänden leisten technische Hilfe: Hochwasserschutz, Notbrücken, Trümmerbeseitigung, Notstromversorgung, Bergungsarbeiten.
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Größte Hilfsorganisation Deutschlands. Ehrenamtliche unterstützen im Sanitätsdienst, Betreuungsdienst, bei der Wasserrettung über die Wasserwacht sowie in der Jugendarbeit.
  • Johanniter-Unfall-Hilfe: Engagiert sich im Sanitäts- und Betreuungsdienst, bei Großveranstaltungen und in der Katastrophenhilfe. Einstieg oft über die Johanniter-Jugend mit Erste-Hilfe-Ausbildung.
  • Malteser Hilfsdienst: Schwerpunkte in Sanitätsdienst, Betreuung und psychosozialer Notfallversorgung. Bietet umfangreiche Ausbildungsangebote für Einsteiger*innen.
  • Arbeiter-Samariter-Bund (ASB): Aktiv im Sanitäts- und Betreuungsdienst sowie im Rettungswesen, mit starkem Fokus auf Erstversorgung und Notfallhilfe.
  • Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): Größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Ehrenamtliche sind bei Hochwassereinsätzen, an Gewässern und in der Bevölkerungswarnung aktiv, etwa mit Lautsprecherwagen bei Sturmflutgefahr.

Was diese Organisationen verbindet: Sie alle sind auf Ehrenamtliche angewiesen, die sich regelmäßig ausbilden lassen, verlässlich zu Übungen kommen und im Ernstfall einspringen. Die Tätigkeiten, die dabei anfallen, sind äußerst vielfältig: 

Was Ehrenamtliche konkret tun

Die Tätigkeitsfelder im Katastrophenschutz sind so vielfältig wie die Einsatzlagen selbst. Ein Überblick über typische Aufgaben:

  • Technische Hilfe: Sandsäcke schleppen, Pumpen aufbauen, Notbrücken errichten, Trümmer beseitigen, Stromversorgung sicherstellen
  • Sanitätsdienst: Erstversorgung Verletzter, medizinische Betreuung bei Großschadenslagen und Veranstaltungen
  • Betreuungsdienst: Evakuierte Menschen in Notunterkünften versorgen, betreuen und begleiten
  • Wasserrettung: Einsätze bei Hochwasser, Rettungsschwimmen, Bootseinsätze
  • Bevölkerungswarnung: Anwohner*innen bei drohender Gefahr informieren und warnen
  • Ausbildung & Übungen: Neue Mitglieder einführen, Erste-Hilfe-Kurse leiten, gemeinsam für den Ernstfall trainieren

Wer sich engagiert, bringt dabei nicht nur Zeit und Kraft mit, sondern oft auch spezifische Fähigkeiten aus dem Berufsleben, ob als Ärztin, Ingenieur, Logistikerin oder IT-Fachkraft. Viele Organisationen suchen gezielt nach solchen Kompetenzen.

3. Worauf du beim Ehrenamt im Katastrophenschutz achten solltest 

Keine Vorkenntnisse nötig, Ausbildung inklusive

Der häufigste Irrtum beim Thema Katastrophenschutz: Dass man schon etwas können muss, bevor man anfängt. Das stimmt nicht. Alle großen Organisationen bilden ihre Ehrenamtlichen selbst aus, vom Erste-Hilfe-Kurs über den Sanitätslehrgang bis hin zur spezialisierten technischen Ausbildung. Der Einstieg ist bei den meisten Organisationen niedrigschwellig gestaltet, oft beginnt er mit einem Schnupperabend oder einem ersten Kennenlerngespräch im Ortsverband.

Wer bereits Fähigkeiten aus dem Berufsleben mitbringt, etwa medizinisches Wissen, handwerkliche Kenntnisse, IT-Kompetenz oder Erfahrung in der Logistik, kann diese gezielt einbringen. Aber auch ohne solche Voraussetzungen bist du willkommen. Entscheidend sind Verlässlichkeit, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, dazuzulernen.

Zeitaufwand realistisch einschätzen

Ein Ehrenamt im Katastrophenschutz ist kein gelegentliches Engagement auf Zuruf. Die meisten Organisationen erwarten eine gewisse Regelmäßigkeit: Übungsabende, Ausbildungen, gemeinsame Einsätze. Laut der ZiviZ-Studie „Engagement im Ernstfall“ engagiert sich über ein Drittel der Aktiven mehrmals pro Woche, viele investieren mehr als fünf Stunden wöchentlich (ZiviZ im Stifterverband, April 2025).

Das klingt nach viel, muss aber nicht von Beginn an so sein. Viele Ortsverbände sind flexibel und passen das Engagement an deine Lebenssituation an. Sprich beim Einstieg offen an, wie viel Zeit du realistisch einbringen kannst. Das schafft auf beiden Seiten klare Erwartungen.

Freistellung und Versicherungsschutz

Zwei praktische Fragen, die viele beschäftigen: Bin ich während eines Einsatzes versichert? Und muss ich dafür Urlaub nehmen?

Zur Versicherung: Ehrenamtliche im Katastrophenschutz sind während Einsätzen, Übungen und Ausbildungen gesetzlich unfallversichert. Die genauen Regelungen variieren je nach Organisation und Bundesland, im Zweifel klärt das die jeweilige Hilfsorganisation direkt.

Zur Freistellung: Für THW-Helferinnen ist die Freistellung vom Arbeitsplatz gesetzlich geregelt. Paragraf 3 des THW-Gesetzes verpflichtet Arbeitgeber*innen zur Freistellung für Einsätze und Übungen, der Verdienstausfall wird erstattet. Für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr gilt Ähnliches: Sie werden in allen Bundesländern für Einsätze freigestellt, die Lohnfortzahlung übernimmt in der Regel die Kommune. Bei anderen Hilfsorganisationen wie DRK oder Johannitern sind die Regelungen weniger einheitlich und hängen vom jeweiligen Bundesland und Arbeitgeber ab.

Die richtige Organisation für dich finden

THW, Feuerwehr, DRK, Johanniter, Malteser, ASB oder DLRG: Welche Organisation passt zu dir? Das hängt weniger von abstrakten Präferenzen ab als von ganz konkreten Fragen: Was interessiert dich inhaltlich? Technische Arbeit, medizinische Versorgung, Betreuung oder Wasserrettung? Gibt es einen Ortsverband in deiner Nähe? Und wie ist die Gemeinschaft dort?

Ein guter erster Schritt ist ein Besuch beim lokalen Ortsverband oder Kreisverband der jeweiligen Organisation. Die meisten bieten Schnupperabende oder offene Übungsabende an, bei denen du dir ein Bild machen kannst, bevor du dich festlegst. Auch auf vostel.de kannst du gezielt nach Engagementmöglichkeiten im Katastrophenschutz filtern und verschiedene Projekte und Organisationen vergleichen.

Psychische Belastung und Selbstfürsorge

Einsätze im Katastrophenschutz können emotional herausfordernd sein. Wer Menschen in akuter Not begegnet, Zerstörung sieht oder in belastenden Situationen handeln muss, wird das nicht immer spurlos wegstecken. Das ist normal und kein Zeichen von Schwäche.

Viele Organisationen bieten deshalb psychosoziale Unterstützung an, etwa durch Einsatznachbesprechungen, Peer-Support-Programme oder den Zugang zu professioneller Beratung. Wichtig ist, solche Angebote auch tatsächlich zu nutzen und offen anzusprechen, wenn ein Einsatz nachwirkt. Genauso wichtig: die eigenen Grenzen kennen und respektieren. Ein gutes Team im Ortsverband trägt dazu bei, auch schwierige Momente gemeinsam zu verarbeiten.

4. Finde dein Ehrenamt im Katastrophenschutz auf vostel.de

Auf vostel.de findest du passende Engagementmöglichkeiten im Bereich Katastrophenschutz & Erste Hilfe in ganz Deutschland. Ob Sanitätsdienst, Betreuung, Ausbildung oder technische Hilfe: Du kannst gezielt nach Ort, Regelmäßigkeit und Deutschkenntnissen filtern und so das Engagement finden, das zu deiner Lebenssituation passt.

5. FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt im Katastrophenschutz

Was ist der Unterschied zwischen Katastrophenschutz, Feuerwehr und Rettungsdienst?

Die drei Bereiche ergänzen sich, haben aber unterschiedliche Zuständigkeiten. Die Feuerwehr ist primär für Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung zuständig und gleichzeitig eine tragende Säule im Katastrophenschutz. Der Rettungsdienst kümmert sich um die medizinische Notfallversorgung im Alltag. Der Katastrophenschutz greift dann, wenn ein Schadensereignis so groß ist, dass diese regulären Strukturen allein nicht mehr ausreichen: bei Hochwasser, Massenanfällen von Verletzten, großflächigen Stromausfällen oder anderen Großschadenslagen.

Muss ich körperlich fit sein oder Vorkenntnisse mitbringen?

Nicht zwingend. Die Anforderungen hängen stark vom Tätigkeitsfeld ab. Wer im technischen Einsatz Sandsäcke schleppt oder Trümmer beseitigt, braucht körperliche Belastbarkeit. Wer im Betreuungsdienst evakuierte Menschen versorgt oder Erste-Hilfe-Kurse leitet, nicht unbedingt. Alle großen Organisationen bilden ihre Ehrenamtlichen selbst aus, Vorkenntnisse sind kein Muss. Entscheidend sind Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit.

Werde ich ausgebildet, bevor ich in den Einsatz muss?

Ja. Niemand wird unvorbereitet in einen echten Einsatz geschickt. Alle Organisationen bieten strukturierte Ausbildungen an, die schrittweise aufgebaut sind: vom Grundlehrgang über fachspezifische Ausbildungen bis hin zu regelmäßigen Übungen. Der Einstieg beginnt meist mit einem Schnupperabend oder einem Erste-Hilfe-Kurs.

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

Das hängt von der Organisation und deinem Tätigkeitsfeld ab. Regelmäßige Übungsabende, Ausbildungen und gelegentliche Einsätze gehören dazu. Laut der ZiviZ-Studie „Engagement im Ernstfall“ engagiert sich über ein Drittel der Aktiven mehrmals pro Woche. Beim Einstieg empfiehlt es sich, offen mit dem Ortsverband über deine zeitlichen Möglichkeiten zu sprechen.

Bin ich während des Einsatzes versichert und werde ich von der Arbeit freigestellt?

Ja zu beidem, mit Einschränkungen. Ehrenamtliche im Katastrophenschutz sind während Einsätzen, Übungen und Ausbildungen gesetzlich unfallversichert. Bei der Freistellung gilt: THW-Helfer*innen haben einen gesetzlich geregelten Anspruch auf Freistellung, der Verdienstausfall wird erstattet (§ 3 THWG). Für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr übernimmt in der Regel die Kommune die Lohnfortzahlung. Bei anderen Hilfsorganisationen variieren die Regelungen je nach Bundesland.

Kann ich mich auch ohne feste Mitgliedschaft engagieren?

Klassischerweise setzt ein Ehrenamt im Katastrophenschutz eine Mitgliedschaft in einer Organisation voraus, weil Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzfähigkeit darüber organisiert werden. Immer mehr Organisationen öffnen sich aber für flexiblere Formate. Auf vostel.de findest du auch projektbasierte Engagements, etwa die Unterstützung bei Blutspendeaktionen oder Erste-Hilfe-Kursen, die ohne langfristige Bindung möglich sind.

Was tue ich, wenn mich ein Einsatz emotional belastet?

Das ist eine wichtige Frage, und sie verdient eine ehrliche Antwort: Belastende Einsätze können Spuren hinterlassen. Viele Organisationen bieten deshalb Einsatznachbesprechungen, Peer-Support-Programme oder Zugang zu professioneller psychosozialer Beratung an. Sprich Belastungen offen im Team an und nutze diese Angebote. Wer die eigenen Grenzen kennt und benennt, schützt sich selbst und bleibt langfristig handlungsfähig.


Noch keine Kommentare!

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht.