Ehrenamt für Patenschaften & Mentoring: Das erwartet dich
Mit einem Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring unterstützt du Menschen durch regelmäßige Begleitung in ihrer jeweiligen Lebenssituation. Das können Kinder und Jugendliche auf ihrem Bildungsweg sein, Familien, die im Alltag Entlastung brauchen, oder Newcomer*innen, die eine neue Sprache lernen und in einer neuen Gesellschaft ankommen möchten. Als Pat*in oder Mentor*in kannst du für einen dieser Menschen zu einer unterstützenden Bezugsperson werden.
Was dabei genau hinter den Begriffen Patenschaft und Mentoring steckt, welche Aufgaben damit verbunden sind und wie Organisationen dich dabei unterstützen, erfährst du in diesem Beitrag. Außerdem zeigen wir dir, worauf du bei deinem Engagement achten solltest und wie du über vostel.de dein passendes Patenschafts- oder Mentoring-Projekt findest.
Inhalt:
- Patenschaften und Mentoring in Deutschland
- Wie Organisationen und Ehrenamtliche Patenschaften und Mentoring ermöglichen
- Worauf du bei einer Patenschaft oder einem Mentoring achten solltest
- Finde dein Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring auf vostel.de
- FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring
1. Patenschaften und Mentoring in Deutschland

Was Patenschaft und Mentoring bedeuten
Patenschaften und Mentoring beschreiben eine langfristig angelegte Begleitung von Einzelpersonen oder Familien, um sie in ihrer jeweiligen Lebenslage zu unterstützen. Das Ziel und der Ablauf einer solchen Begleitung ist immer abhängig von den Bedürfnissen der begleiteten Person und wird meist individuell vereinbart.
Dabei gibt es zwischen Patenschaften und Mentoring feine aber kleine Unterschiede: Bei einer Patenschaft liegt der Fokus meist auf der Alltagsbegleitung und der gemeinsamen Freizeit. Mentoring hingegen ist mit einem konkreten Thema verbunden, beispielsweise Bildung, Berufsorientierung, Sprachförderung oder dem Übergang zur Ausbildung und Studium. In der Praxis überschneiden sich beide Themen jedoch oft und viele Programme nutzen die Begriffe flexibel.
Für wen ist eine Patenschaft oder ein Mentoring sinnvoll?
Jeder junge Mensch braucht eine andere Art von Unterstützung. Für diese Gruppen ist ein Patenschafts- oder Mentoringprogramm besonders wertvoll:
- Junge Menschen aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien: In Deutschland hängt der Bildungserfolg leider immer noch stark vom Elternhaus ab. So haben Kinder aus Nicht-Akademiker-Haushalten nur eine 16,9% Chance, ein Gymnasium zu besuchen. Ein Mentoring kann sie dabei unterstützen, trotzdem einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg einzuschlagen.
- Junge Menschen psychisch oder suchtkranker Eltern: Schätzungen zufolge wachsen in Deutschland ca. 3-4 Millionen Kinder mit einem entsprechend belasteten Elternteil auf. In Folge müssen sie oft früh Verantwortung im Haushalt übernehmen und haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Eine Patenschaft schafft hier einen geschützten Raum außerhalb der Familie, in der sie keine Verantwortung übernehmen müssen und eine verlässliche erwachsene Bezugsperson an ihrer Seite haben.
- Familien in besonderen Belastungssituationen: Von individueller Begleitung im Alltag profitieren vor allem Alleinerziehende oder Familien mit Neugeborenen. Eine Patenschaft entlastet hier im stressigen Alltag, sei es durch praktische Unterstützung, ein offenes Ohr oder einfach zusätzliche Hände.
- Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung: Da das Ankommen in einem neuen Land oft eine Herausforderung ist, können Patenschafts- und Mentoring Programme Erleichterung und Unterstützung bringen. Sie können Orientierung im neuen Alltag, Verbesserung der Sprachkenntnisse und echten Austausch sowie den Aufbau eines lokalen Netzwerks ermöglichen.
- Jugendliche und junge Erwachsene bei der Berufs- und Studienwahl: Beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf kann ein Mentoring helfen, eigene Stärken zu erkennen und den passenden Weg zu finden.
- Mädchen und junge Frauen mit Interesse an MINT-Fächern: Mentoring-Programme können ihnen konkrete Rollenvorbilder in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zeigen und sie ermutigen, den Weg in diese Branchen einzuschlagen.
Warum Patenschaften und Mentoring wichtig sind
Eine Untersuchung zum Programm Balu und Du zeigt, dass Grundschulkinder aus einkommensschwachen Familien nach einem Jahr Mentoring eine elf Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, ein Gymnasium zu besuchen. Ebenfalls zeigt eine Studie des ifo-Instituts zum Programm Rock Your Life! bei Jugendlichen mit Mentoring eine verbesserte schulische Leistungen und höhere Wahrscheinlichkeit eine Berufsausbildung zu beginnen.
Auch bei der Begleitung von Menschen mit Fluchterfahrung zeigt sich eine deutliche Wirkung: Eine Studie des DIW Berlin zum Programm Start with a Friend fand heraus, dass Geflüchtete mit Mentor*in nach einem Jahr deutlich bessere Deutschkenntnisse hatten und sozial aktiver waren als Geflüchtete ohne Mentoring. Mentoring kann demnach die Chancen sozioökonomisch benachteiligter junger Menschen spürbar steigern.
2. Wie Organisationen und Ehrenamtliche Patenschaften und Mentoring ermöglichen

Was gemeinnützige Organisationen leisten
Patenschafts- und Mentoringprojekte laufen in Deutschland in den meisten Fällen über eine Trägerorganisation. Diese übernimmt die Auswahl und Schulung der Ehrenamtlichen, das Matching zwischen Pat*in und Penkind/ Mentor*in und Mentee, sowie die kontinuierliche Begleitung während der Patenschaft/ dem Mentorship. Das gibt sowohl den Ehrenamtlichen als auch den Familien Sicherheit und sorgt dafür, dass die Tandems gut zueinander passen.
Zu den bekannten Organisationen in diesem Bereich gehören unter anderem:
- Start with a Friend e.V.: Tandems zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung.
- Balu und Du e.V.: Bundesweit aktives Mentoring Programm, bei dem Erwachsene („Balus“) Grundschulkinder ein Jahr lang regelmäßig begleiten.
- Rock Your Life! e.V.: Mentoring für Jugendliche beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium.
- StudyTutors e.V.: Ehrenamtliche Nachhilfe und Bildungspatenschaften für Kinder und Jugendliche.
- SkF (Sozialdienst katholischer Frauen): Patenschaften speziell für Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern.
- wellcome: Familienpatenschaften, die frischgebackene Eltern in den ersten Monaten nach der Geburt entlasten.
Wie Ehrenamtliche eingebunden sind
Als Pat*in oder Mentor*in triffst du dich meistens regelmäßig, oft wöchentlich oder alle zwei Wochen, mit deinem Patenkind oder Mentee. Was ihr konkret macht, hängt vom Programm und den Bedarfen des Menschen ab. Dazu gehören z.B. gemeinsames Spielen, Hausaufgaben machen, über die Berufswahl sprechen oder einfach Zeit im Alltag verbringen. Die Organisation begleitet dich dabei durch Einführungen, Ansprechpersonen und regelmäßigen Austausch mit anderen Ehrenamtlichen.
Tätigkeitsfelder im Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring

Patenschafts- und Mentoring Programme sind vielfältig und richten sich an verschiedene Zielgruppen. Auf vostel.de findest du unter anderem folgende Tätigkeiten:
- Bildungspatenschaften und Nachhilfe: für Kinder und Jugendliche, die beim Lernen und in der Schule unterstützt werden möchten
- Alltagsbegleitung von Kindern und Familien: für Familien in besonderen Belastungssituationen sowie für Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern, die eine verlässliche Bezugsperson brauchen
- Sprachförderung und Tandems mit Newcomer*innen: für Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung, die Orientierung im neuen Alltag suchen und ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten, zum Beispiel auch für geflüchtete Kinder in deiner Nachbarschaft
- Berufsbegleitung von Jugendlichen: Mentoring beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf, etwa für Mädchen mit Interesse an MINT-Fächern oder für junge Menschen ohne akademisches Elternhaus
- Patenschaften für Austauschschüler*innen: als Gastfamilie oder Ansprechperson
3. Worauf du bei einer Patenschaft oder einem Mentoring achten solltest

Verlässlichkeit ist das Wichtigste
Patenschaften und Mentoring leben von Kontinuität, also überlege dir vorher realistisch, wie viel Zeit du auf Dauer einbringen kannst und kommuniziere das offen mit der Organisation. Abgesagte oder verschobene Treffen wiegen hier schwerer als in anderen Ehrenämtern, denn gerade Kinder aus belasteten Verhältnissen haben oft damit zu kämpfen, dass sich Erwachsene nicht an Abgemachtes halten.
Deine Rolle klar halten
Du bist Begleitperson und nicht Elternteil, Lehrkraft oder Therapeut*in. Diese Klarheit schützt dich selbst, dein Patenkind und eure Verbindungsstärke. Die Organisation gibt dir dafür einen Rahmen und unterstützt dich bei Unsicherheiten.
Vertrauen braucht Zeit
Eine tiefgründige Verbindung entsteht nicht sofort. Gerade zu Beginn kann es dauern, bis sich ein Kind oder ein Jugendlicher öffnet. Um die Beziehung gesund aufzubauen, ist ein bewusster Umgang mit Nähe und Distanz nötig, auch wenn im Laufe der Zeit persönliche Themen zum Gespräch hinzukommen.
Offenheit statt Vorerfahrung
Du musst keine pädagogische Ausbildung mitbringen. Es ist wichtiger, dass du Geduld und Zuverlässigkeit aufweist und bereit bist, dich auf eine andere Lebensrealität einzulassen, sei es unterschiedliche familiäre Hintergründe, kulturelle Prägungen, Religion, oder besondere Belastungen.
Sicherheit für alle Beteiligten
Da viele Patenschaften mit Kindern und Jugendlichen stattfinden, verlangen die meisten Organisationen ein erweitertes Führungszeugnis und arbeiten mit klaren Schutzkonzepten. Das dient zur Sicherheit der Kinder und schafft gleichzeitig Vertrauen für dich als Ehrenamtliche*r.
Wenn es einmal nicht passt
Nicht jedes Match funktioniert auf Anhieb. Wenn die Chemie zwischen dir und deinem Patenkind oder Mentee nicht stimmt, ist das kein Scheitern. Viele Organisationen ermöglichen ein Rematching, melde dich gerne bei einer Ansprechperson.
Rückhalt durch die Organisation nutzen
Seriöse Träger begleiten dich während des ganzen Programms, bieten Austauschtreffen mit anderen Ehrenamtlichen und feste Ansprechpersonen für Fragen und schwierige Situationen. Nutze diese Angebote, sie helfen dir, dein Engagement langfristig gut zu gestalten.
Mehr Tipps zum Engagement mit Kindern, Jugendlichen und Familien findest du auch in unseren Beiträgen Ehrenamt mit Kindern & Jugendlichen und Ehrenamt mit Familien.
4. Finde dein Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring auf vostel.de
Du möchtest für ein Kind, einen Jugendlichen, ein*e Newcomer*in oder eine Familie eine verlässliche Bezugsperson sein? Auf vostel.de findest du zahlreiche Patenschafts- und Mentoringprojekte in ganz Deutschland: von Bildungspatenschaften über Familienpatenschaften bis hin zu Mentoring für Menschen mit Fluchterfahrung. Filtere nach Standort, Zeitaufwand und Zielgruppe und finde das Engagement, das zu deinem Alltag passt.
5. FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt für Patenschaften und Mentoring
Was ist der Unterschied zwischen einer Patenschaft und einem Mentoring?
Beide Begriffe beschreiben eine persönliche, langfristige 1:1-Begleitung und werden oft synonym verwendet. Bei einer Patenschaft stehen meist Alltagsbegleitung und gemeinsame Freizeit im Vordergrund, beim Mentoring häufiger ein konkretes Thema wie Bildung oder Berufsorientierung. In der Praxis überschneiden sich beide Formen oft.
Wie viel Zeit muss ich für eine Patenschaft oder ein Mentoring einplanen?
Das hängt vom Programm ab, meist triffst du dich wöchentlich oder alle zwei Wochen für ein bis zwei Stunden. Wichtiger als die genaue Stundenzahl ist, dass du dir realistisch überlegst, wie viel Zeit du dauerhaft einbringen kannst, denn Verlässlichkeit ist bei dieser Engagementform besonders wichtig.
Brauche ich eine besondere Qualifikation, um Mentor*in oder Pate/Patin zu werden?
Nein. Für die meisten Programme brauchst du keine pädagogische Ausbildung oder Vorerfahrung. Wichtig sind Geduld, Zuverlässigkeit und Offenheit gegenüber einer anderen Lebensrealität. Die Organisationen bereiten dich mit Einführungen oder Schulungen auf dein Engagement vor.
Wie läuft der Einstieg in eine Patenschaft ab?
Nach einem Erstgespräch mit der Organisation folgt meist ein Kennenlernen mit dem Kind oder der Familie, oft begleitet durch hauptamtliche Mitarbeitende. Bei der Arbeit mit Kindern ist zudem in der Regel ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich.
Wie lange dauert eine Patenschaft in der Regel?
Die meisten Programme sind auf mindestens ein Jahr angelegt, viele Patenschaften bestehen deutlich länger. Diese Kontinuität ist wichtig, damit sich Vertrauen aufbauen kann.
Was, wenn es zwischen mir und dem Kind nicht passt?
Das kann vorkommen und ist kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Sprich es offen mit deiner Ansprechperson in der Organisation an, viele Programme ermöglichen dann ein neues Matching.
Bringt Mentoring wirklich etwas?
Ja, das belegen mehrere Studien. Programme wie Balu und Du oder Rock Your Life! zeigen nachweislich verbesserte Bildungschancen und schulische Leistungen bei den begleiteten Kindern und Jugendlichen.
Kann ich das neben dem Job oder Studium machen?
Ja. Die meisten Patenschaften sind mit wenigen Stunden pro Woche oder Monat gut mit Alltag, Job oder Studium vereinbar.
Wie finde ich ein passendes Projekt in meiner Nähe?
Über vostel.de kannst du gezielt nach Standort, Zielgruppe und Zeitaufwand filtern und direkt Kontakt zur passenden Organisation aufnehmen.
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