Ehrenamt in der Armutsbekämpfung: Das erwartet dich
Armut in Deutschland betrifft mehr Menschen, als viele vermuten. Über 13 Millionen gelten hierzulande als armutsgefährdet, fast ein Fünftel der Bevölkerung ist darüber hinaus von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das zeigt sich ganz konkret im Alltag: wenn das Geld für eine warme Mahlzeit nicht reicht, die Wohnung verloren geht oder Kindern der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt.
In diesem Beitrag geben wir dir einen Überblick zur Armut in Deutschland, zeigen dir, welche Organisationen sich dagegen engagieren und wie du Betroffene mit einem Ehrenamt unterstützen kannst.
Inhalt:
- Die Situation von armutsbetroffenen Menschen in Deutschland
- Wie Organisationen & Ehrenamtliche in der Armutsbekämpfung aktiv sind
- Worauf du beim Ehrenamt in der Armutsbekämpfung achten solltest
- Finde dein Ehrenamt in der Armutsbekämpfung auf vostel.de
- FAQ: Häufige Fragen zum Ehrenamt in der Armutsbekämpfung
1. Die Situation von armutsbetroffenen Menschen in Deutschland

Was bedeutet Armut in Deutschland?
In Deutschland wird Armut meist als relative Armut gemessen: Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat, gilt nach EU-Definition als armutsgefährdet. 2025 lag diese Schwelle in Deutschland für eine alleinstehende Person bei 1.446 Euro netto im Monat (2024: 1.381 Euro) (Statistisches Bundesamt).
Das bedeutet im Alltag: knappe Kassen beim Einkaufen, kaum Spielraum für unerwartete Ausgaben und oft eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Einen ausführlicheren Überblick dazu, was Armut bedeutet und wie sie gemessen wird, findest du in unserem Beitrag Armut in Deutschland: Zahlen, Hintergründe & Engagementmöglichkeiten.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom Februar 2026 galten zuletzt rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland als armutsgefährdet, das entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung. Zählt man auch Menschen hinzu, die von materieller Entbehrung oder sehr geringer Erwerbsbeteiligung betroffen sind, steigt die Zahl auf 17,6 Millionen, also gut ein Fünftel der Bevölkerung.
Und obwohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 2005 und 2024 deutlich gestiegen ist, blieb die Armutsquote laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 auf einem konstant hohen Niveau. Wirtschaftliches Wachstum allein löst das Problem also nicht.
Wer ist besonders betroffen?
Armut trifft nicht alle gleich. Laut Statistischem Bundesamt und Paritätischem Armutsbericht 2025 sind besonders gefährdet:
- Alleinerziehende: 27 Prozent von ihnen leben unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze.
- Junge Erwachsene: Rund ein Viertel der 18- bis 25-Jährigen gilt als armutsgefährdet, darunter viele Studierende und Auszubildende.
- Ältere Frauen: Jede fünfte Frau ab 65 Jahren ist armutsgefährdet. Der Grund: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen im Schnitt weniger und haben dadurch geringere Rentenansprüche.
- Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit: Ihr Armutsrisiko liegt mit 30 Prozent etwa 2,5 Mal so hoch wie das von deutschen Staatsangehörigen mit ca. 13 Prozent.
- Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss: von ihnen sind rund 27 Prozent armutsgefährdet.
- Langzeitarbeitslose: Mit einer Armutsgefährdungsquote von über 60 Prozent sind sie besonders stark betroffen.
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen von Armut sind vielschichtig und hängen oft zusammen. Niedriglöhne und prekäre Beschäftigung sorgen dafür, dass Arbeit allein nicht vor Armut schützt. Steigende Mieten und fehlender bezahlbarer Wohnraum belasten vor allem Menschen mit geringem Einkommen.
Hinzu kommen Kaufkraftverluste durch die Inflation der vergangenen Jahre, die armutsbetroffene Menschen besonders hart getroffen hat. Und grundsätzlich gilt: Wer in Armut aufwächst, hat oft schlechtere Bildungschancen, was das Risiko erhöht, auch im Erwachsenenalter arm zu bleiben.
Für Menschen mit Migrationsgeschichte verschärfen zusätzliche Faktoren die Situation: Sprachbarrieren, die eingeschränkte Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Diskriminierung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt erschweren den wirtschaftlichen Einstieg erheblich.
Genau hier setzen gemeinnützige Organisationen und Ehrenamtliche an.
2. Wie Organisationen & Ehrenamtliche in der Armutsbekämpfung aktiv sind

Was gemeinnützige Organisationen leisten
Direkte Unterstützung von armutsbetroffenen Menschen
In Deutschland gibt es ein breites Netz an Organisationen, die armutsbetroffene Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen unterstützen. Den wohl bekanntesten Beitrag leisten die Tafeln: Bundesweit sammeln und verteilen die 975 Tafel-Standorte überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel an rund 1,5 Millionen bedürftige Menschen.
Große Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, DRK, AWO, Johanniter und Malteser betreiben darüber hinaus Notunterkünfte, Kleiderkammern, Suppenküchen und Beratungsangebote und sind damit oft erste Anlaufstelle für Menschen in akuter Not.
Organisationen wie Oxfam oder die Deutsche Kleiderstiftung versorgen Menschen über Secondhand- und Charity-Shops günstig mit Kleidung und Alltagsgütern.
Armutsprävention: Langfristige Ansätze gegen Armut
Neben der direkten Versorgung setzen viele Organisationen auch auf langfristige Ansätze. JOBLINGE begleitet benachteiligte Jugendliche auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Organisationen wie StudyTutors oder Die Arche Kinderstiftung fördern Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien durch kostenlose Nachhilfe und Freizeitangebote. Und Initiativen wie Aktion gegen den Hunger oder die Berliner Stadtmission setzen auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung.
Mehr zu den einzelnen Bereichen erfährst du in unseren Beiträgen Ehrenamt in der Lebensmittelrettung, Ehrenamt mit obdachlosen Menschen und Chancengleichheit.
Wie Ehrenamtliche eingebunden sind
Ohne Ehrenamtliche würde ein Großteil dieser Arbeit nicht funktionieren. Allein bei den Tafeln engagieren sich über 77.000 Menschen, 94 Prozent davon ehrenamtlich. Sie sortieren Lebensmittel, fahren Touren, stehen an der Ausgabe und schenken den Menschen, die kommen, Zeit und Aufmerksamkeit.
Typische Tätigkeitsfelder im Bereich Ehrenamt für Demokratie & Menschenrechte

Das Spektrum an Aufgaben ist groß. Auf vostel.de findest du unter anderem folgende Tätigkeiten:
- Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien fördern: Nachhilfe geben, bei Hausaufgaben helfen oder benachteiligte Jugendliche beim Einstieg in Ausbildung und Beruf begleiten
- Lebensmittel sortieren und ausgeben: Überschüssige Lebensmittel bei Händlern abholen, sortieren und an armutsbetroffene Menschen ausgeben, etwa bei einer Tafel in deiner Stadt
- Menschen ohne Obdach versorgen: Bei Essens- und Sachausgaben mithelfen, in Notunterkünften oder Tagesstätten unterstützen oder in der Kältehilfe im Winter aktiv werden
- Im Secondhand-Laden oder Sozialkaufhaus mitarbeiten: Gespendete Kleidung und Alltagsgüter sortieren, aufbereiten und an Bedürftige weitergeben
- Hygiene- und Grundversorgung ermöglichen: Dusch- und Waschangebote für Menschen ohne festen Wohnsitz begleiten und betreuen, etwa beim Duschbus von GoBanyo
- Armutsbetroffene Menschen begleiten und beraten: Als Gesprächspartner*in für Menschen in sozialen Notlagen da sein oder bei Behördengängen unterstützen
- Über Armut aufklären: Workshops oder Führungen zum Thema Armut und Obdachlosigkeit mitgestalten, etwa bei der Berliner Stadtmission
3. Worauf du beim Ehrenamt in der Armutsbekämpfung achten solltest

Armut ohne Vorurteile begegnen
Armut hat viele Gesichter und viele Ursachen. Wer sich engagiert, begegnet Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen: Alleinerziehenden, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen, älteren Menschen mit zu kleiner Rente oder Jugendlichen, die ohne familiäres Netz aufgewachsen sind. Klischees wie „selbst schuld“ oder „hätte sich mehr anstrengen müssen“ werden der Realität nicht gerecht. Eine offene, vorurteilsfreie Haltung ist die wichtigste Grundlage für jedes Engagement in diesem Bereich.
Sensibilität für Scham mitbringen
Viele armutsbetroffene Menschen empfinden Scham für ihre Situation. Das beeinflusst, wie sie mit Unterstützungsangeboten umgehen, ob sie um Hilfe bitten oder lieber fernbleiben. Eine diskrete, respektvolle Haltung ist deshalb besonders wichtig: Es geht darum, auf Augenhöhe zu begegnen, nicht darum, zu helfen und dabei auf Dankbarkeit zu warten.
Grenzen zwischen Lindern und Lösen kennen
Ehrenamtliche leisten in der Armutsbekämpfung wertvolle Arbeit. Sie lindern aber vor allem die unmittelbaren Folgen von Armut, ohne ihre strukturellen Ursachen zu beseitigen. Das ist keine Schwäche des Engagements, sondern eine wichtige Einordnung. Wer das von Anfang an versteht, kann seinen Beitrag realistisch einschätzen und langfristig motiviert bleiben.
Umgang mit komplexen Lebenslagen
Armutsbetroffene Menschen tragen oft mehrere Belastungen gleichzeitig: Schulden, psychische Erkrankungen, Sucht, Wohnungslosigkeit. Das kann im Ehrenamt herausfordernd sein. Viele Organisationen bieten deshalb Einweisungen, Ansprechpersonen und gelegentlich Austauschrunden an. Diese Angebote zu nutzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern hilft, das Engagement nachhaltig zu gestalten.
Eine passende Tätigkeit in der Armutsbekämpfung wählen
Von Lebensmittel sortieren bis Nachhilfe geben ist das Spektrum groß. Es lohnt sich, vorab zu überlegen, welche Aufgabe zu den eigenen Stärken und der verfügbaren Zeit passt. Manche Tätigkeiten erfordern regelmäßiges Engagement, andere sind einmalig oder projektbasiert möglich. Viele Organisationen bieten auch Kennenlern- oder Schnuppereinsätze an, damit du in Ruhe herausfinden kannst, was zu dir passt.
4. Finde dein Ehrenamt in der Armutsbekämpfung auf vostel.de
Du möchtest dich in der Armutsbekämpfung engagieren und weißt noch nicht, wo du anfangen sollst? Auf vostel.de findest du zahlreiche Engagementmöglichkeiten in diesem Bereich: von der Lebensmittelausgabe bei einer Tafel über die Mitarbeit in einem Secondhand-Laden bis hin zur Nachhilfe für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Ob einmalig, projektbasiert oder regelmäßig, ob vor Ort oder ortsunabhängig: Finde jetzt dein passendes Engagement.
5. FAQ: Häufige Fragen zum Ehrenamt in der Armutsbekämpfung
Was kann ich konkret tun, um gegen Armut aktiv zu werden?
Die Möglichkeiten sind vielfältig: Du kannst bei einer Tafel Lebensmittel sortieren und ausgeben, in einem Secondhand-Laden oder einer Kleiderkammer mitarbeiten, Kinder aus einkommensschwachen Familien bei den Hausaufgaben unterstützen oder armutsbetroffene Menschen bei Behördengängen begleiten. Auf vostel.de findest du passende Angebote in deiner Nähe oder ortsunabhängig.
Brauche ich besondere Vorkenntnisse oder Qualifikationen?
Für die meisten Tätigkeiten in der Armutsbekämpfung sind keine besonderen Qualifikationen nötig. Wichtiger sind Verlässlichkeit, Offenheit und die Bereitschaft, anzupacken. Für neue Ehrenamtliche gibt es in der Regel eine Einweisung durch die Organisation, damit du gut vorbereitet in deinen ersten Einsatz startest.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Das hängt von der Art des Engagements ab. Manche Tätigkeiten wie ein einmaliger Einsatz bei einer Lebensmittelausgabe erfordern nur wenige Stunden. Andere, wie regelmäßige Nachhilfe oder ein Besuchsdienst, sind auf kontinuierliches Engagement ausgelegt. Viele Organisationen bieten auch Schnuppereinsätze an, damit du in Ruhe herausfinden kannst, was zu dir passt.
Ist das Ehrenamt in der Armutsbekämpfung emotional belastend?
Das kann es sein. Armutsbetroffene Menschen tragen oft mehrere Belastungen gleichzeitig, und nicht immer gibt es schnelle Lösungen. Gleichzeitig berichten viele Ehrenamtliche, dass das Engagement trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen als sehr sinnvoll und bereichernd erlebt wird. Die meisten Organisationen bieten Ansprechpersonen und gelegentlich Austauschrunden an, die helfen, schwierige Erfahrungen einzuordnen.
Wie finde ich ein passendes Angebot in meiner Stadt?
Auf vostel.de kannst du gezielt nach Engagementmöglichkeiten in der Armutsbekämpfung in deiner Stadt oder Region suchen. Du kannst dabei nach Regelmäßigkeit, Zielgruppe und Tätigkeitsfeld filtern und so das Angebot finden, das am besten zu dir passt.
Was ist der Unterschied zwischen Armut und Obdachlosigkeit?
Armut und Obdachlosigkeit hängen oft zusammen, sind aber nicht dasselbe. Armut bezeichnet eine finanzielle Situation, in der Menschen deutlich weniger Einkommen haben als der gesellschaftliche Durchschnitt. Obdachlosigkeit ist eine mögliche Folge von Armut, tritt aber nicht zwangsläufig auf. Viele armutsbetroffene Menschen haben eine Wohnung, können sich aber kaum etwas anderes leisten. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag Ehrenamt mit obdachlosen Menschen.
Dein vostel.de Team wünscht dir wertvolle Erfahrungen in deinem Ehrenamt in der Armutsbekämpfung!








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